7 Fragen an Elena Langner

Elena Langer steht auf dem Gelände der FH Potsdam, im Hintergrund sind Hochschulgebäude zu sehen.
© Nikolas Ripka

In der neuen Folge unserer Pod­ca­st­reihe „7 Fragen an“ unter­halte ich mich mit der stu­den­ti­schen Vize­prä­si­dentin der FH Potsdam.

Herzlich will­kommen zu einer neuen Folge „7 Fragen an“. Ich bin Niko und sitze heute mit Elena Langner hier, der stu­den­ti­schen Vize­prä­si­dentin der Fach­hoch­schule Potsdam. Sie wird sich jetzt einmal selbst kurz vorstellen.

Hallo, ich bin Elena. Ich stu­diere im 7. Semester Archiv im Fach­be­reich Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaften. Ich wohne in Potsdam und komme auch aus Bran­denburg. Ich freue mich, heute hier zu sein.

Was hat dich nach Potsdam gebracht?

Mein Studium. Das war schon aus­schlag­gebend, dass man irgendwo ange­nommen wird. Und ich dachte, das ist das richtige Studium für mich. Ich fand Archiv sehr spannend.

Schon ziemlich früh in deinem Studium hast du begonnen, dich nebenbei in Pro­jekten zu enga­gieren. Wie kam es eigentlich dazu? Und was hast du alles gemacht in der Zeit?

Ich habe in meinem ersten Semester damit ange­fangen, als ich das Semi­kolon-Redak­ti­ons­treffen in der Cafe­teria besucht habe. Ich wollte nämlich wissen, wieso das Magazin Semi­kolon heißt. Denn das Semi­kolon hat ja auch noch eine andere Bedeutung, und da wollte ich wissen, ob es eine ähn­liche ist.

Welche andere Bedeutung denn?

Trig­ger­warnung: Erwähnung eines Erken­nungs­symbols von Suizid.

Manche Leute lassen sich das Semi­kolon täto­wieren. Das steht dafür, dass man ver­sucht hat, das eigene Leben zu nehmen oder darüber nach­ge­dacht hat, es aber nicht getan hat. Und dafür stand das Semi­kolon an der Hoch­schule nicht, sondern weil das FHP-Logo auch ein Semi­kolon drin hat, um „FH“ von „P“ zu trennen.

Ich war dann im Redak­ti­ons­treffen und dachte, wenn ich schon mal da bin, kann ich auch noch nach den Bau­stellen am Campus fragen. Ich weiß nicht, ob ich das gehört hatte oder ob einfach neu­gierig war, was mit der Cam­pus­mitte los ist. Als es diese Brach­fläche gab und immer Schutt und Abfälle da war. Die Redaktion sagte zu mir: Recher­chiere doch mal, hier sind die Leute, die du fragen kannst. Und dann habe ich ange­fangen, für meinen ersten rich­tigen Artikel zu recher­chieren, ein Beitrag zu den Baumaßnahmen.

Noch davor war mein aller­erster Artikel über die Voll­ver­sammlung gewesen, ein Kom­mentar eines Erstis über die Voll­ver­sammlung der Stu­die­ren­den­schaft. Und damit bin ich dann so ein bisschen in die Gre­mi­en­arbeit rein­ge­rutscht und das hat mich ange­fangen zu inter­es­sieren. Auf der Voll­ver­sammlung hat dann Rike, eine Kul­tur­ar­beiten, damals auch Erst­se­mester, ein Projekt vor­ge­stellt: das Kon­terfei-Fes­tival (damals hieß es noch „Kra­walle und Liebe“), welches im Sommer 2019 statt­ge­funden hat. Und ich bin da irgendwie als die Quoten-Archi­varin (alle anderen waren Kulturarbeiter:innen) rein­ge­rutscht und habe es mit­or­ga­ni­siert, weil ich voll Bock hatte mitzumachen.

Und irgendwie bin ich im Som­mer­se­mester, also in meinem zweiten Semester, noch in den zen­tralen Wahl­vor­stand gekommen, weil es eine stu­den­tische Ver­tretung brauchte. Das war mein erstes Gremium. Und danach bin ich zwei Jahre im AStA gewesen. Im zweiten AStA-Jahr war ich dann auch noch im Fach­be­reichsrat im Fach­be­reich Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaften. Zwi­schen­durch war ich bera­tendes Mit­glied bei meinem StuRa. Und danach wurde ich stu­den­tische Vizepräsidentin.

Ganz schön viel. Du bist jetzt die siebte stu­den­tische Vize­prä­si­dentin der FH Potsdam. Und gewählt wurdest du letztes Jahr in der Voll­ver­sammlung der Stu­die­ren­den­schaft und danach im Senat – in einem Ver­fahren, welches du selbst ins Leben gerufen hat, als du im AStA warst.

Das klingt gerade, als hätte ich das super lang geplant, dass ich Vize­prä­si­dentin werden möchte. Aber das habe ich erst letzten Sommer ent­schieden. Zum Ver­fahren: Früher haben die Präsident:innen vom AStA erwartet, dass sie jemanden vor­schlagen. Stu­die­rende, die gre­mi­en­po­li­tisch aktiv sind, wussten, wie das funk­tio­niert und dass der AStA diesen Vor­schlag macht. Und dann meinten einige Stu­die­rende: Wir finden es unfair, dass der AStA das alleine ent­scheidet, wer studentische:r Vizepräsident:in wird.

Und dann war der AStA so: Okay, wir machen das Ver­fahren trans­pa­renter. Das war mein erstes AStA-Jahr, und da ich damals auch im zen­tralen Wahl­vor­stand war und damit schon die Wahl­re­ge­lungen der Hoch­schule kannte, war ich so: ich mach das! Und dann habe ich da geschrieben und mich abge­sprochen und schließlich wurde diese „Richt­linie über den Vor­schlag für das Amt der:des studentische:n Vizepräsident:in an den:die Präsident:in“ in der Voll­ver­sammlung beschlossen. Wir haben einen ganz langen Titel genommen, damit das bloß korrekt ist. Denn eigentlich müssen Vizepräsident:innen vorher nicht gewählt werden, sondern werden im Senat direkt von der Prä­si­dentin vor­ge­schlagen. Aber bei den Stu­die­renden ist jetzt ein ganzer Prozess dahinter. Es war sehr anstrengend.

Wie kam es dazu, dass du Vize­prä­si­dentin geworden bist? War das einfach der nächste logische Schritt nach deinen zwei Jahren im AStA?

Ja. Also ich wusste, ich will nicht noch einmal AStA machen. Die Regel­stu­di­enzeit meines Stu­diums beträgt sieben Semester und wenn man sich die Sta­tis­tiken anguckt, ist der Fach­be­reich 5 und besonders Archiv ein Vorbild, was Regel­stu­di­enzeit betrifft. Wenn man uns mit den Designer:innen ver­gleicht, sind wir richtig Streber:innen, was das betrifft. Ich hatte zwar nie den Anspruch in Regel­stu­di­enzeit zu stu­dieren, aber ich wusste, noch ein Jahr AStA mache ich nicht, denn ich wollte meine Bache­lor­arbeit schreiben.

Doch dann ging es darum, wer wird neue:r studentische:r Vizepräsident:in? Und dann war ich so: wieso eigentlich nicht? Weil ich über die Jahre das Wissen ange­sammelt habe. Durch meine ver­schie­denen Gremien und durch das Fes­tival habe ich ganz viel gelernt. Und durch Semi­kolon kennt man die Leute. Also ja, es war der nächste logische Schritt, ich wollte einfach mein Wissen anwenden. Und es ist noch mal etwas anderes, ob man wie jetzt nur bera­tendes Mit­glied im AStA ist und den Leuten beratend zur Seite steht oder ob man richtig im AStA ist und eine Meinung ver­treten muss. Es ist eine andere Position, die man einnimmt.

Und was genau ist deine Position als Vize­prä­si­dentin? Du bist ja eine Ver­mitt­lerin zwi­schen der Stu­die­ren­den­ver­tretung, also dem AStA zum Bei­spiel, und eben der Hochschulleitung.

Ja, Ver­mittlung und Kom­mu­ni­kation. Ganz viel Kom­mu­ni­kation. Ich sage immer: „For­mu­liert euch nett und freundlich“, weil das auf der gegen­über­lie­genden Seite denn ent­spre­chend ankommt, wenn man etwas nicht freundlich for­mu­liert, sondern irgendwie passiv-aggressiv ist. Also ich mache das auch mal gerne, Dinge passiv-aggressiv auf­zu­schreiben, dann hat man es raus. Danach kann man es neu schreiben.

Inzwi­schen bist du schon über vier Monate im Amt. Wie fühlst du dich in deiner Rolle? Und bereust du es eigentlich schon?!

An manchen Tagen schon. Wenn Sachen von einem erwartet werden, wo man sich so denkt … Wieso fragst du mich jetzt? Kannst du nicht selbst googeln? Es gibt das Internet! Ich weiß, die Website ist nicht gut, aber man findet die Dinge trotzdem. Ab und zu ist man schon frus­triert. Aber es gibt auch andere Dinge, wo man Freude hat, wie wenn man im Casino mit Men­schen sitzt und einfach Dinge bequat­schen kann. Ich spiele auch gerne Billard nach den AStA-Sitzungen.

Was konntest du in dieser Zeit bereits anstoßen? Und was hast du noch vor?

Als ich wusste, ich mache dieses Amt, hatte ich immer eine Notiz­seite auf meinem Handy offen und habe eigene Ideen und Anre­gungen von Freund:innen auf­ge­schrieben. Sogar von meiner dama­ligen Chefin, als ich noch in einem Archiv gear­beitet habe, bevor ich Vize­prä­sident wurde. Und sie hat Ideen gegeben, was man so auf dem Campus machen könnte.

Zum Bei­spiel wäre es sehr nett, einen eigenen Honig zu haben, weil wir ja den Cam­pus­garten haben und auch die grüne Ecke rund um Haus 17 ent­stehen soll. Andere Hoch­schulen haben auch Cam­pus­bienen und einen Cam­pushonig. Das klingt viel­leicht ganz naiv, aber das ist nur ein Bei­spiel aus dieser Liste von Dingen. Und wenn ich mir denke, was kann ich gerade mit meinem Amt machen, schaue ich auf die Liste und suche mir irgendwas raus. Und ich hatte mir auch vor­ge­nommen, mich um das Thema E‑Mails zu kümmern, also dass es so viele E‑Mails gibt. Glück­li­cher­weise steht das Thema auch im STEP …

… dem Struktur- und Ent­wick­lungsplan der Hochschule …

Korrekt. Ein Papier, das die Vor­haben der nächsten fünf Jahre in allen mög­lichen Bereichen der FH plant, also in For­schung, Studium und Lehre, in der Ver­waltung, in der Technik, in der IT, in den Bau­maß­nahmen. Und darin steht eben auch das Thema mit den E‑Mails und die neue Website. Ich habe mit der Hoch­schul­kom­mu­ni­kation einmal gesprochen, dass weniger E‑Mails an die Stu­die­renden geschickt werden sollen. Ich dachte, das ist ein kleines Problem und ich schaffe das ganz schnell. Aber ich hatte im Oktober und November mit so vielen Dingen und Ver­an­stal­tungen zu tun, dass ich gar keine Zeit für meine eigenen Pro­jekte hatte.

Und das andere war noch das Thema stu­den­ti­scher Raum, was ich von meinem Vor­gänger Chris­topher über­nommen habe. Und das pas­siert auch so peu a peu. Denn etwas großes auf einmal umsetzen geht nicht.

Elena Langner steht vor dem Eingang zur Aufnahmekabine.
© Nikolas Ripka

Und wie sieht denn eigentlich dann Alltag aus? Mit wem bist du alles in Kontakt?

Mit dem AStA ganz viel, mit dem bin ich ganz fleißig am Schreiben. Ansonsten, was täglich an E‑Mails rein­kommt. Meine Haupt­be­schäf­tigung ist es, Sit­zungen vor­zu­be­reiten und teil­weise noch nach­zu­be­reiten. Zu schauen: was steht auf der Tages­ordnung? Fürs Prä­sidium, fürs Prä­si­di­al­kol­legium, für den Senat oder für die Ständige Kom­mission für Studium und Lehre. Oder zu schauen, was ich für den AStA vor­be­reiten muss.

Wenn ich mit den StuRas sprechen möchte, schreibe ich ihnen auch, ob sie Zeit haben, dass ich vor­bei­komme, um über etwas zu reden. Ich finde es nämlich doof, wenn Leute sagen Hey, können wir uns treffen? Und ich mich frage: Um welches Thema geht es? Muss ich mich auch vor­be­reiten und vorher mit anderen Stu­die­renden reden?! Ich bin zwar auf eine Art und Weise die Ver­tretung der Stu­die­renden, aber ich weiß trotzdem nicht, was in allen Stu­di­en­gängen abgeht und wie sich alle mit irgendwas fühlen.

Es gab zum Bei­spiel Dis­kus­sionen über die dualen Stu­di­en­gänge der Bauingenieur:innen und da war ich auch so: ich muss vorher mit dem StuRa reden, um irgendwie zu ver­stehen, wie das über­haupt funk­tio­niert. Ganz viel Kom­mu­ni­kation also. Und dann ver­suche ich die Stu­die­renden und alle Inter­es­sierten über die Hoch­schule hinaus, auf meinem Instagram-Kanal bei meinen Tagen mit­zu­nehmen, wenn ich auf dem Campus bin. Besonders, wenn wieder Lockdown ist und weniger auf dem Campus pas­siert, kann ich den Leuten den Campus zeigen.

Das klingt danach, als würde das Amt sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Was machst eigentlich in deiner Freizeit? Kannst du über­haupt abschalten? Schaffst du es zum Bei­spiel, an den Wochen­enden etwas anderes zu tun oder ist die Gre­mi­en­arbeit immer präsent?

Ich ver­suche abzu­schalten, weil es ist wichtig, einen Aus­gleich zu finden. Laut meinem Sti­pen­di­ums­vertrag sind 15 Stunden die Woche vor­ge­sehen. Das heißt, wenn ich am Wochenende arbeite, mache ich defi­nitiv was falsch. Und wenn das Wetter schön ist, gehe ich gern in die Pots­damer Parks spa­zieren, nehme mein kleines Notizbuch mit und zeichne irgend­welche Statuen. Oder ver­suche es zumindest. Ich ver­suche auch mehr zu lesen, aber irgendwie mich hin­setzen und lesen funk­tio­niert gerade über­haupt nicht.

Nach langen Sit­zungs­tagen gehe ich auch gerne mit meiner Mit­be­woh­nerin spa­zieren. Der Mittwoch ist der Gre­mi­entag, und da sitze ich von 9:30 bis 12:30 im Prä­sidium. Dann habe ich eine halbe Stunde Mit­tags­pause, wenn es gut läuft, und dann beginnt oft schon die nächste Sitzung. Ab und zu habe ich auch eine Stunde Mit­tags­pause, dann schaffe ich es sogar, was Rich­tiges zu kochen und zu essen und wieder abzu­wa­schen. Und dann geht es in die nächste Sitzung. Ob es jetzt der Senat ist oder die SKSL oder irgendein Fach­be­reichsrat, den ich auch besuchen möchte, weil da ein bestimmtes Thema besprochen wird und ch die Stu­die­renden irgendwie unter­stützen kann. Dann sitzt man da bis 18 Uhr und es ist dunkel. Besonders wenn tagsüber die Sonne so richtig schön scheint, ist es schon ärgerlich, dass man nicht raus kann. Im Sommer kann ich dann auf dem Balkon sitzen – mit fetten Kopf­hörern, damit man die Stör­ge­räusche nicht hört.

Apropos hören: Gibt es etwas, was du nicht mehr hören kannst?

„Frau Langner“ (lacht). Nein, es ist schon in Ordnung. Was ich aber nicht mehr hören kann, sind meine Kom­mi­li­tonen, wenn sie mich mit „Frau Prä­si­dentin“ begrüßen. Das ist schon lustig, wenn man das unter sich macht. Aber wenn man im öffent­lichen Raum ist und mit „Frau Prä­si­dentin“ ange­sprochen wird, dann ist es dann schon ein bisschen unan­genehm. Das habe ich ihnen aber noch nicht gesagt, dass es mir unan­genehm ist. (lacht)

Letztes Jahr hast du wenige Tage nach Beginn deines Amtes die Erst­se­mester in der Imma­feier begrüßt. Auch im Laufe des Semesters hast du immer wieder Ver­an­stal­tungen mode­riert; vorhin nanntest du deinen Instagram-Account. Wie erreichst du die Stu­die­renden sonst noch und vor allem, wie können sie dich erreichen?

Die Imma­feier war ein Erlebnis. Ich durfte eine Rede halten, und die Prä­si­dentin hat vor mir ihre Rede gehalten, und wir haben uns inhaltlich mehrmals wider­sprochen. Ich weiß, ob es den Erstis auf­ge­fallen ist. Am Anfang meiner Amtszeit habe ich dann ziemlich schnell mein Instagram-Konto gemacht, es war auch so ein Ding, was ich mir vor­ge­nommen hatte. Ich sollte mehr posten, damit ich einen bes­seren Algo­rithmus bekomme und mehr Leute meinen Kanal vor­ge­schlagen bekommen. Also ich weiß nicht, wie Influencer:innen das machen, jede Woche einen Beitrag zu posten. Ich ver­suche es jetzt gerade wieder mit den Instagram-Stories, um meinen Alltag zu zeigen.

Ich ver­suche, den Stu­die­renden natürlich keine E Mails zu schreiben, außer wenn es irgendwas gibt, wo der AStA oder die Hoch­schul­leitung sagt: Machen Sie mal, Frau Langner, weil es ein stu­den­ti­sches Thema ist. Ich habe am Anfang meiner Amtszeit immer nach Themen gesucht für so eine Begrü­ßungs-E-Mail. Aber irgendwie habe ich nie was gefunden, wo ich dachte, das ist jetzt wirklich wichtig. Denn nur die Infor­mation: „Hallo, ich bin Elena, ich bin die stu­den­tische Vize­prä­si­dentin“ will ich den Stu­die­renden nicht per E‑Mail schreiben.

Ich könnte noch Plakate von mir auf­hängen mit dem Spruch: „Hi, folgt mir!“. Ansonsten gibt es meine E‑Mail-Adresse . Und ich habe eine offi­zielle Tele­fon­nummer, die könnt ihr googeln, wenn ihr mich wirklich anrufen wollt.

Und wenn da jemand anruft, dann klingelt dein Telefon im Büro.

Ich habe es wei­ter­ge­leitet an meine Han­dy­nummer, weil ich nicht die ganze Zeit im Büro sitze und ich mir keine Sprech­zeiten geben wollte.

Du hast ein eigenes Büro?

Ich habe einen Tisch, wo das Telefon steht. Und ich habe von unseren Haus­meistern einen Roll­schrank ange­fragt und auch bekommen, der steht im Pro­jektraum der Stu­die­renden im Haus 17. Da habe ich meine Ecke, und das ist im Grunde mein Büro, weil es Raum­mangel gibt. Ich brauche aber nicht den ganzen Raum, ich sitze auch gerne mit Kommiliton:innen zusammen.

Dein Amt gibt es nur viermal in Deutschland. Kennst du die anderen drei?

Ich kenne Johanna aus Ebers­walde, wir waren zusammen in der Jury für den Lan­des­lehr­preis. Dort hatten sich auch ver­schiedene Leh­rende aus unserer Hoch­schule beworben. Johanna war davor Spre­cherin der BRANDSTUVE gewesen, der Bran­den­bur­gi­schen Stu­die­ren­den­ver­tretung, und ich hatte noch ihre Tele­fon­nummer. Und als ich mir bei dieser Jury dachte, irgendwie läuft das gerade nicht richtig, habe ich Johanna geschrieben. Sie fühlte sich auch so wie ich und wir haben dann zwei Seiten Feedback an das Minis­terium geschrieben. Die haben das mit auf­ge­nommen und gesagt, dass sie das beim nächsten Mal besser machen werden. Da muss ich dann im Sep­tember gucken, ob es wirklich besser läuft, oder es meiner Nach­folge weitergeben.

Die anderen beiden Vizepräsident:innen kenne ich nicht. Ich habe mal raus­ge­sucht, auf welcher Uni die sind und mir vor­ge­nommen, dass ich die mal anschreiben möchte. Es wäre ganz nett, sich einfach mal zu bequat­schen. Auf den Lan­des­kon­fe­renzen der BRANDSTUVE war es immer inter­essant, die Pro­bleme der anderen Hoch­schulen zu hören. Und wir haben meist die gleichen Pro­bleme. Da hilft der Aus­tausch, um zu erfahren, wie die Hoch­schulen damit umgehen. Ich hoffe, das in den Semes­ter­ferien zu schaffen, dass so ein Aus­tausch im Som­mer­se­mester irgendwann viel­leicht statt­finden kann.

Ein Treffen aller stu­den­ti­schen Vizepräsident:innen.

Ja, oder man besucht sich auf den gegen­sei­tigen Campus. Ich war noch nie in Ebers­walde, da könnte ich viel­leicht mal Johanna besuchen. Mal gucken, ob ich es schaffe.

Im Som­mer­se­mester stehen wieder die Wahlen für die stu­den­ti­schen Gremien an. Was würdest du Stu­die­renden sagen, die viel­leicht mit dem Gedanken spielen, sich an der Hoch­schule zu enga­gieren – so wie du es gemacht hast seit deinem ersten Semester?

Überlegt es euch gut. Im AStA bekommt ihr eine Auf­wands­ent­schä­digung. Und je nachdem, wie gut du deine Auf­gaben im Gremium machen möchtest und wie gut ein Gremium zusam­men­ar­beitet, ist es unter­schiedlich anstrengend. Es muss einem einfach bewusst sein und es ist auch nicht schlimm, jederzeit wieder auf­zu­hören, wenn man merkt, es ist nichts für mich, das funk­tio­niert hier nicht. Das muss man einfach vorher wissen.

Und es ist auch immer gut, bei einem Gremium mit­zu­machen, wenn man ein kon­kretes Thema hat, das man angehen möchte. Zum Bei­spiel die Stu­die­renden mehr ver­netzen oder Ver­an­stal­tungen zu orga­ni­sieren. In den stu­den­ti­schen Gremien hast du dann ein kleines Budget und kannst damit Dinge ver­an­stalten für deinen eigenen Fach­be­reich oder den Stu­di­engang, zusammen mit anderen Men­schen, die sich auch enga­gieren möchten.

Ein Enga­gement muss aber nicht immer sofort hoch­schul­po­li­tisch sein. Es ist aber gut, wenn man da ein Auge drauf hat und guckt: was macht mein Fach­be­reich, was ent­scheidet er? Und mit den Fach­be­reichs­rats­mit­gliedern zusam­men­zu­ar­beiten, zu gucken, was wird gerade in dieser Ordnung geändert? Da muss man ein bisschen Moti­vation haben, was zu ver­ändern oder was zu machen, und immer ein offenes Ohr für die Stu­die­renden zu haben. Von denen bekommt man die Pro­bleme mit, zum Bei­spiel, dass sich Lehrende:r XY sich so und so geäußert oder die Prüfung ist so abgelaufen.

Und dann weiß man als stu­den­tische Ver­tretung wo was steht und mit welchen Leuten man reden kann. Und die Verwaltungsmitarbeiter:innen kennen einen dann als stu­den­tische Ver­tretung und helfen gerne. Sie helfen auch allen anderen Stu­die­renden gern, aber wenn es richtige Ansprech­per­sonen gibt, ist die Ver­netzung meistens noch ein Stückchen besser.

Das klingt aber ziemlich anstrengend. Lohnt es sich über­haupt? Macht es über­haupt Spaß, sich zu engagieren?

Ja, schon. Man hat einen neuen Kreis und bekommt viel mit, besonders im AStA, weil es Stu­die­rende aus allen Fach­be­reichen sind. Wenn man als Archiv-Stu­dentin mit den Leuten vom Design mit­ein­ander redet, dann merkt man zum Bei­spiel, dass man viele Über­schnei­dungen in der Lehre und den eigenen Inter­essen hat. Da kommen guten Ideen und Pro­jekte zustande, die man zusammen ver­wirk­lichen kann. Und dann haben Kulturarbeiter:innen ste­reo­ty­pisch Erfahrung mit der Orga­ni­sation von Ver­an­stal­tungen, Designer:innen werden immer gern die Öffent­lich­keits­arbeit aufgebrummt.

Es hat auch einen anstren­genden Faktor, je nachdem, wie sehr man sich da hin­ein­ver­setzt. Und wenn man ein gutes Gremium hat, macht es mehr Spaß und es ist weniger anstrengend, weil alle mit­ein­ander arbeiten. Man kann aber auch Pech haben. Also wenn man die Leute nicht so gut kennt, das ist glaube ich eher das Problem. Man kann sich ziemlich schnell anfreunden, wenn man die Zeit dafür hat, was in der Pan­demie jetzt aber wesentlich schwie­riger ist. Es ist schon was anderes, wenn man zusam­men­sitzt in einem Raum und nicht vor dem eigenen PC sitzt. Wenn man sich anfreundet und sich ein bisschen besser ken­nen­lernt, dann funk­tio­niert diese gemeinsame Arbeit noch besser. Und dann ist man halt plötzlich in der Mensa und bespricht irgend­welche hoch­schul­po­li­ti­schen Dinge, und man kommt auf gute Ideen. Das ver­misse ich am meisten, dass die Mensa geschlossen war während der Pandemie.

Wenn man Gre­mi­en­arbeit macht, sollte man nicht mehr den Anspruch an sich selbst haben, in der Regel­stu­di­enzeit zu bleiben. Auch wenn die Leh­renden das drücken und viel­leicht das Umfeld auch diesen Druck unter­stützt. Damit sollte man sich einfach ein bisschen anfreunden, dass es in Ordnung ist, ein Semester länger zu machen, weil man in der Gre­mi­en­arbeit aktiv ist. Die stu­den­tische Selbst­ver­waltung ist einfach wichtig.

Dein Amt läuft jetzt bis Ende Sep­tember dieses Jahres. Was willst du danach machen?

Meine Bache­lor­arbeit schreiben.

Gibt es sonst noch etwas, was du los­werden willst?

Hin­ter­fragt alles. Was eure Leh­renden tun, was Stu­die­rende euch erzählen, was ihr in den E‑Mails bekommt. Wenn ihr euch denkt: ist das wirklich so? Schreibt dem AStA. Der AStA hat ein anonymes Tool auf der Website, wo man Fragen stellen kann, und wenn man sie beant­wortet haben möchte, kann man auch eine E‑Mail-Adresse hin­ter­lassen. Oder wenn ihr Sachen bemerkt und euch denkt: so sollte das nicht laufen. Der AStA hat auch eine sen­sible Sprech­stunde, da kann man auch über Dinge reden, die einem an der Hoch­schule widerfahren.

Für das Meiste gibt es eine Erklärung. Nicht immer ist sie zufrie­den­stellend, aber es gibt sie. Das beste Bei­spiel ist die Fassade des Haupt­ge­bäudes. Das erzähle ich immer gerne Erstis: Wieso ist die kaputt und wieso sind die Ecken abge­räumt? Weil die Fas­sa­den­teile run­ter­ge­fallen sind und an den Ecken anscheinend die meiste Spannung ist. Aber die ganze Fassade wurde kon­trol­liert und es sollte nichts weiter run­ter­fallen und niemand ver­letzt werden. Des­wegen ist es halt so. Aber: das Haus steht noch und das ist die Hauptsache!

Vielen Dank für das Gespräch!

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