Mitten im Semester II

© Nikolas Ripka

Auch im neuen Semester möchte ich wissen, was bei uns in der Lehre, For­schung und Ver­waltung los ist. Dazu habe ich Antje Michel, Jörg Röder und Niclas See­liger ein­ge­laden, um bei einem Kaffee über ihre aktu­ellen Pro­jekte zu sprechen und einen Ein­blick in ihre Arbeit zu geben. Wir treffen uns Anfang Dezember im Audio­labor.

Niko
Will­kommen! Stellt euch doch gerne mal vor.

Antje
Mein Name ist Antje Michel und ich bin Pro­fes­sorin für Infor­ma­ti­ons­di­daktik und Wis­sens­transfer an der FH Potsdam. Jetzt bin ich schon gegen Ende meines vierten Jahres hier – die Zeit rast! Meine Pro­fessur ist zu 50% in den Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaften ver­ortet und zu 50% fach­über­greifend. Was für mich das Pri­vileg und manchmal auch die Her­aus­for­derung mit sich bringt, in allen Fach­be­reichen aktiv zu sein, über­wiegend in der Lehre, manchmal auch in anderen Pro­jekten.

Ins­gesamt ist der Schwer­punkt meiner Pro­fessur der unter­schied­liche Umgang mit Infor­ma­tionen, auch was unter­schied­liche Fach­kul­turen als Infor­mation defi­nieren. Und die Frage, inwiefern diese Unter­schied­lichkeit eigentlich reflek­tiert werden muss bei Wis­sens­trans­fer­pro­zessen, sowohl in der Lehre als auch außerhalb der Lehre, z.B. im Theorie-Praxis-Transfer.

Jörg
Mein Name ist Jörg Röder, ich bin jetzt seit einem Jahr und einem Monat an der FH Potsdam, also noch sehr frisch. Es kommt mir aber auch schon relativ schnell ver­gangen vor das erste Jahr, weil man doch sehr im Machen und Tun seiner Vor­le­sungen ist. Ich bin am Fach­be­reich Bau­in­ge­nieur­wesen ver­ortet, als Pro­fessur für Bau­werks­er­haltung und Holzbau.

Ich war vorher wis­sen­schaft­licher Mit­ar­beiter an der TU Berlin und dann 12 Jahre in einem Inge­nieurbüro, das sich u.a. mit Bauen im Bestand und damit Bau­werks­er­haltung beschäftigt hat, aber auch in anderen Bereichen wie For­schung, Bau­physik und Fas­sa­den­planung enga­gierte, tätig. Ich habe eher zufällig die Aus­schreibung der Stelle an der FHP gesehen, mich darauf beworben und gar nicht damit gerechnet, dass ich hierher komme. Dann hieß es nach geraumer Zeit das Leben nochmal etwas umstellen, was aber häufig sehr positiv ist.

Grund­sätzlich biete ich Lehre für den noch Diplom-Bau­in­ge­nieur­wesen-Stu­di­engang und zukünftig auch für die Bachelor- und Master-Stu­di­en­gänge an. Und zusätzlich für den Master Bau­er­haltung, der ein inter­dis­zi­pli­närer Stu­di­engang ist zwi­schen Bau­in­ge­nieur­wesen, Archi­tektur, Innen­ar­chi­tektur, Restau­rierung, Holz­in­ge­nieur­wesen usw. Es macht sehr viel Spaß, die unter­schied­lichen Sicht­weisen der Stu­die­renden der ein­zelnen Fächer ken­nen­zu­lernen und zu einem gemein­samen Ziel zu führen.

Antje
Das finde ich auch das span­nende an diesen inter­dis­zi­pli­nären Lehr­for­maten. Manchmal bringt es mit sich, dass man erstmal eine ganze Weile mit den Stu­die­renden auf einen gemein­samen Nenner kommen muss. Nimmst du das auch wahr?

Jörg
Man muss tat­sächlich auf einen gemein­samen Nenner kommen – in Bezug auf Kom­mu­ni­kation, aber auch in Bezug auf den Stand des Wissens der Stu­die­renden. Denn der ist doch sehr unter­schiedlich; zwi­schen der Aus­bildung eines Inge­nieurs, der tech­nik­ori­en­tiert und eher prag­ma­tisch ist und der Aus­bildung eines Archi­tekten, der künst­le­risch ori­en­tiert und nicht ganz so prag­ma­tisch ist und viel­leicht nicht ganz ins tech­nische hin ori­en­tiert ist.

Das ist aber ein inter­es­santer Prozess. Da gibt es Rei­bungs­punkte zwi­schen den Architekt*innen und den Bauingenieur*innen; die einen ver­stehen immer nicht, dass es so schön gestaltet werden muss, die anderen ver­stehen nicht, dass da irgendwo eine Stütze hin muss, wo doch eigentlich besser gar keine ist. Aber das ist ja gerade auch das Ziel dieses Stu­di­en­gangs, dass sie sich ver­stehen lernen. Denn später müssen sie sich in der prak­ti­schen Arbeit ver­stehen lernen, da sind sie gezwungen mit den anderen zu arbeiten. Je früher sie das lernen, desto besser.

Antje
Ja, das sehe ich auch so. Ich stelle immer wieder fest, dass es manchmal schon eine Her­aus­for­derung ist, dass anfänglich alle glauben, wenn mit bestimmten Begriffen über Pro­bleme geredet wird, dass sie das gleiche dar­unter ver­stehen. Und dann stellt man eben mit­tendrin erst fest, dass selbst die Begriff­lich­keiten schon unter­schiedlich gedeutet werden. Also besonders natürlich bei diesen Con­tai­ner­be­griffen wie z.B. Nach­hal­tigkeit.

Nach­hal­tigkeit ist so ein Begriff, der im Fach­vo­ka­bular aller unserer Stu­di­en­gänge eine Rolle spielt und total unter­schiedlich gedeutet wird. Also die Nach­hal­tigkeit im Sinne von Res­sour­cen­ef­fi­zienz, im Sinne von Resi­lienz und Wider­stands­fä­higkeit, als Form von Abge­si­chertheit und so. Es sind so unter­schied­liche Kon­no­ta­tionen und da ver­wendet man diesen Begriff, arbeitet damit und merkt plötzlich, dass das Potenzial besteht, auch erstmal anein­ander vorbei zu arbeiten. Mit­tendrin pas­siert dann häufig dieses Inne­halten und es gibt eine große Ver­wirrung: Moment mal, reden wir über­haupt über das Gleiche?

Dadurch setzt eben genau dieser Per­spek­tiv­wechsel oder diese Per­spek­ti­verwei­terung ein, von der du auch berichtet hast, die ich immer total schön und pro­duktiv finde. Da erkennt man, dass man auf solche Begriffe eine ganz andere Per­spektive haben könnte.

Jörg
Das Thema Nach­hal­tigkeit ist im Bau­in­ge­nieur­wesen relativ klar besetzt vom Begriff her, das ist einfach ener­gie­ef­fi­zient und mög­lichst dau­erhaft. Archi­tekten inter­pre­tieren es aber freier, die wollen eine Freiheit des Ent­wurfs haben und da kann Nach­hal­tigkeit auch das Design sein, dass es zeitlos oder zeit­gemäß zeitlos ist, die Ener­gie­ef­fi­zienz ist dort nicht so dominant. So habe ich es zumindest häufig ken­nen­ge­lernt, dass man da nur ungerne auf die Freiheit des Ent­wurfs zugunsten der abso­luten Nach­hal­tigkeit ver­zichtet. Unter Nach­hal­tigkeit haben sie einen anderen Schwer­punkt.

Antje Michel im Gespräch. © Nikolas Ripka

Antje
Jetzt haben wir ja einen wei­teren Gesprächs­partner! Holen wir den doch erstmal rein. Wir haben uns gerade erst vor­ge­stellt und sind schon ein bisschen im Plaudern. Aber viel­leicht steigen Sie jetzt einfach mit der Vor­stellung ein.

Niclas
Gerne. Niclas See­liger, seit 2012 in der Fach­hoch­schule im Ver­wal­tungs­be­reich tätig. Ursprünglich im Con­trolling und seit Februar diesen Jahres als Leiter der Finanz­ab­teilung.

Antje
Und gerade total ent­spannt, weil Freitag der Kas­sen­schluss ist und jetzt bestimmt über­haupt nichts los ist, oder?!

Niclas
Genau, ich habe diesen Termin mit großer Sorgfalt genau da hin gewählt, wo er am wenigsten passt … (lacht)

Antje
Kern­kom­petenz! (lacht) Wir reden gerade über Inter­dis­zi­pli­na­rität. Und Inter­dis­zi­pli­na­rität und die Mög­lich­keiten ein­ander zu ver­stehen und miss­zu­ver­stehen. Ist das auch in Ihrem Job ein Thema?

Niclas
Ja. Ich hatte es schon in meinem Studium als großes Thema, weil ich in einer Hoch­schule aus­ge­bildet wurde, die das seit den 1950er Jahren, bevor dieses Wort eigentlich exis­tierte, sich als Schwer­punkt auf die Fahne geschrieben hat, dass man von allen dort ange­bo­tenen Stu­di­en­gänge, alle Stu­di­en­gänge belegen musste. Neben allen Grund­kursen musste man in jedem Fach pro Semester einen oder sogar zwei Scheine zu seinem Schwer­punkt dazu belegen.

Antje
Leu­phana?

Niclas
Nein, die HWP (Ham­burger Uni­ver­sität für Wirt­schaft und Politik) in Hamburg. Und dann hat man dort, wenn man den Wirt­schafts­zweig gewählt hat, trotzdem Vor­le­sungen in Sozio­logie und eben in Volks­wirt­schaft besucht. Und das hat einen nicht dümmer gemacht.

Antje
In den alten Diplom- oder Magis­ter­stu­di­en­gängen hat man durch die Mehr­fä­cherwahl neben seinem Hauptfach häufig auch Neben­fächer gehabt. Zum Bei­spiel hatte ich auch das Hauptfach Sozio­logie gehabt und dann eben Neben­fächer Wirt­schafts- und Sozi­al­ge­schichte, Psy­cho­logie und Phi­lo­sophie. Und das ist ja dann auch im Prinzip eine Inter­ids­zi­pli­na­ritäts-Erfahrung, die man damals gemacht hat.

Niclas
Im Ver­wal­tungs­alltag kann ich sagen, dass Inter­dis­zi­pli­na­rität unbe­dingt statt­finden sollte. Denn selbst wenn Sie in einem Schwer­punkt­gebiet wie Finanzen tätig sind, so greifen Sie immer wieder in andere Bereiche rein. Sie können nicht in der Finanz­ab­teilung sin­gulär denken und die Per­so­nal­ab­teilung aus­klammern. Das Per­sonal wird ja finan­ziert, neben einem Stel­lenplan muss also auch eine Finan­zierung stehen. Beides zusammen ist abhängig von der Anzahl von Stu­die­renden in den ein­zelnen Fächern, also ist man auch mit der Stu­die­ren­den­ver­waltung mit im Boot.

All das erfordert bei jedem Schritt, dass man einmal durch den gesamten Raum fährt und eigentlich alle Bereiche abklappern sollte.

Antje
Das ist ja irgendwie sowieso eine schöne Erfahrung, bei Hoch­schul­ver­wal­tung­pro­zessen, dass man sobald man an einem Zipfel zieht, gleich plötzlich ein Tuch mit Tausend Ecken in der Hand hat, von dem man gar nicht erwartet hat, dass man das in der Hand hat. Was ich damit meine ist, dass die Pro­zesse, wie Sie das ja auch gerade beschrieben haben, häufig sehr komplex sind und eben immer noch in Bereiche rein­ragen, die für einen in dem Moment, als man sie ange­fangen hat, nicht so richtig absehbar waren.

Niclas
Na ja, häufig ist einem die Kom­ple­xität der Bereiche gar nicht bewusst. Natur­gemäß inter­es­siert das auch gar nicht. Ver­wal­tungs­ab­läufe gehören jetzt nicht per Defi­nition zu den Dingen die hoch­spannend sind, nichts­des­to­trotz aber häufig not­wendig sind. Und wenn man tiefer rein­guckt, dann kriegt das auf­grund seiner starken Funk­tio­na­lität und ab einer gewissen Ebene dann doch wieder einen span­nenden Unterbau. Man will eigentlich nur eine Stelle haben oder ein bisschen Geld für ein Projekt, und bringt irgendwie so eine riesige Welle in Bewegung.

Und man denkt immer, die sind ja alle blöd, denn ich wollte doch nur und jetzt werde ich hier von den Was­ser­massen erschlagen! Aber das gehört in eine moderne Ver­waltung, dass man zumindest ver­sucht, den Leuten die Zusam­men­hänge zu erklären. Dass man zumindest ein Gespür dafür erzeugt, dass wenn man kommt und ein Bedarf hat, es ein grö­ßerer Kreis ist, der da ange­fahren wird. Anfragen kann man immer stellen, doch nicht immer heißt es, dass sofort das gewünschte Ergebnis erzielt wird.

Jörg
Stimmt! (lacht) Wir hatten nämlich gerade diese Woche schon ein Gespräch …

Antje
Ja, ich auch! (lacht)

Jörg
Herr See­liger ist ein gefragter Mann … In unserem Gespräch ging es darum, wie man viel­leicht Anfragen für Wei­ter­bildung in unser Stu­di­en­konzept inte­grieren kann und man dadurch etwas Gelder für die Hoch­schule und für den Fach­be­reich akqui­rieren kann. Und das gestaltet sich nicht so einfach, wie ich gehofft hatte.

Antje, Michel, Niclas See­liger und Jörg Röder im Gespräch. © Nikolas Ripka

Antje
Ja, das ist tat­sächlich ein Thema, mit dem wir uns ganz intensiv aus­ein­an­der­setzen müssen. Mein zweites Hobby ist ja die digitale Lehre und in dem Kontext sitze ich in relativ vielen Arbeits­gruppen und bin innerhalb Deutsch­lands ver­treten. Und das ist tat­sächlich ein Thema, das alle Hoch­schulen umtreibt, nämlich die Frage, wie einer­seits unsere Cur­ricula qua­li­täts­ge­si­chert weiter als Cur­ricula bestehen können und wie wir sie ande­rer­seits auch öffnen können für Wei­ter­bil­dungs­in­ter­essen. Und davon auch pro­fi­tieren können, dass da Men­schen mit einer pro­funden Erfahrung aus sehr unter­schied­lichen Kon­texten kommen und wie­derum auch die Lehre anrei­chern.

Also im Sinne dessen, dass ja das Zusam­men­kommen aus unter­schied­lichen Dis­zi­plinen schon eine Berei­cherung ist, ist das natürlich erst recht der Fall, wenn da eben auch schon Men­schen mit einer kon­kreten Berufs­er­fahrung dazu kommen zu den Stu­die­renden, die noch am Anfang ihres beruf­lichen Weges stehen. Ich finde, dass da wirklich extrem viel Potenzial liegt in dieser Idee, die ihr mit­ein­ander besprochen habt und das ist defi­nitiv etwas, was wir in Zukunft rea­li­sieren müssten.

Wir haben das ja teil­weise schon im infor­mel­leren Rahmen in unseren Mas­ter­stu­di­en­gängen. Ob im Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaften oder Urbane Zukunft, gibt es häufig Leute, die eigentlich schon eine pro­funde Berufs­er­fahrung mit sich bringen und auch eine Bil­dungs­kar­riere hinter sich gebracht haben. Und die teil­weise Zer­ti­fikate erworben haben von Dritt­an­bietern.

Das hört man auch nicht so gerne in der Hoch­schul­po­litik, dass eben teil­weise so etwas wie Google Academy auch genutzt und von Arbeitgeber*innen auch inzwi­schen aner­kannt wird in bestimmten Kon­texten. Und damit müssen wir uns auch aus­ein­an­der­setzen, also dass Leute kommen, bestimmte Dinge aner­kannt haben wollen, und dann eben viel­leicht wirklich eher so eine Art erwei­tertes Zer­ti­fikat noch brauchen, um das zu kom­ple­men­tieren und so einen bestimmten Mas­ter­ab­schluss bei uns erlangen können.

Jörg
Ja, das haben wir ja auch besprochen ver­gangene Woche, wann denn über­haupt ein Zer­ti­fikat aus­ge­stellt wird. Wir haben vor allem durch den Master Bau­er­haltung die Option, dort auch Wei­ter­bildung effektiv anbieten zu können. Der Stu­di­engang ist voller inter­es­santer Module, die den einen oder anderen aus der Bau­praxis – ob Architekt*in, Restaurator*in oder Bauingenieur*in – schon sehr ansprechen, weil sie kompakt sind. Manchmal in Wochen­kursen, manchmal auch viel­leicht jede Woche einmal für einen Termin. Und das sind sicherlich Poten­ziale, die man noch heben kann.

Ich selber bin ja auch aus­ge­bil­deter Bau­in­ge­nieur und mich inter­es­sieren da auch ein, zwei, drei Kurse, da werde ich mich bestimmt mal rein­setzen. Das heißt immer so schön lebens­langes Lernen, und das ist aber auch tat­sächlich so, es ist nicht nur eine Floskel. Ich hoffe, dass wir eine gute Lösung finden und wir dann auch nicht die Zer­ti­fikate anderer aner­kennen müssen, sondern selber Zer­ti­fikate für das aus­stellen, wo wir auch wissen, was dahin­ter­steckt. Wir können auch damit die Qua­lität der Lehre und der Aus­bildung besser steuern.

Antje
Ich denke, das eine und das andere gehen Hand in Hand. Wir werden das immer haben, weil sich Leute, die sich uner­klär­li­cher­weise und ärger­li­cher­weise nicht direkt auf die Fach­hoch­schule Potsdam auf­merksam geworden sind, sich erdreisten, Aspekte ihres Bil­dungswegs woanders zu gehen. (lacht) Aber ich gebe dir voll­kommen recht, das sollte unser Ziel sein, dass wir da fle­xibel sind.

Ich würde mir wün­schen, dass wir da hin­kommen, dass Stu­die­rende wei­terhin ein qua­li­täts­ge­prüftes Cur­ri­culum durch­laufen können, aber dass sich die­je­nigen, die schon sehr genau wissen wo sie hin­wollen, ihr Cur­ri­culum selber zusam­men­bröseln können, wie sie es brauchen. Das wird mit Sicherheit nicht unbe­dingt am dem ersten Semester Bachelor sinnvoll sein und funk­tio­nierten, weil man ja erstmal eine bestimmte fach­liche Sozia­li­sation hinter sich bringen muss und auch einen Horizont ent­wi­ckeln muss für die Frage, wo will ich eigentlich hin und was fehlt mir dann noch auf dem Weg. Aber so im Kontext unserer Mas­ter­stu­die­renden nehme ich das eigentlich jetzt schon wahr, dass dieser Bedarf eigentlich längst da ist.

Jörg
Ja, in den Mas­ter­stu­di­en­gängen sitzen zumindest bei uns schon viele, die eine fertige Berufs­aus­bildung haben. Es ist ja auch eine Auf­nah­me­be­dingung, dass als prak­tische Erfahrung schon nach­ge­wiesen werden muss, im Beruf gear­beitet zu haben. Wer das nicht getan hat, der muss schon äußerst gut stu­diert haben, um über­haupt in diesem Kurs auf­ge­nommen werden zu können. Von daher passt das auch schon ganz gut.

Aber um nochmal auf diese Inter­dis­zi­pli­na­rität zurück­zu­kommen: im Bau­be­reich haben wir eine Ent­wicklung, die mit einem Uni­ver­sal­ge­lehrten, dem Bau­meister des Mit­tel­alters oder des Altertums ange­fangen hat. Und der hat sich in ver­schiedene Dis­zi­plinen ent­wi­ckelt. Dass man Bau­in­ge­nieur­wesen und Archi­tektur getrennt hat, ist nocht nicht so neu, aber sie geht in den letzten 50–30 Jahren ganz enorm weiter.

Jetzt gibt es Bauingenieur*innen, die sich um den Grundbau, um den Hochbau, um den Brü­ckenbau, um den Inge­nieurbau kümmern, oder die sich mit Stoffen beschäf­tigen. Das sind mitt­ler­weile alles unter­schied­liche Per­sonen. Und es gibt Architekt*innen, die mehr für den Entwurf tätig sind, die anderen sind mehr für die Aus­füh­rungs­planung und die Dritten machen dann die bau­liche Umsetzung auf der Bau­stelle selbst. Wir haben uns auf­ge­fä­chert, sicherlich in 10 unter­schied­liche Spe­zi­al­dis­zi­plinen in diesem Bereich, und die müssen wir wieder zusam­men­führen. Des­wegen müssen wir auch inter­dis­zi­plinär arbeiten, weil das mitt­ler­weile alles ver­schiedene Dis­zi­plinen geworden sind.

© Nikolas Ripka

Antje
Bei Inter­dis­zi­pli­na­rität ist genau das ein­ge­führte Bei­spiel mit der Nach­hal­tigkeit etwas, wor­unter man sehr unter­schied­liche Dinge ver­stehen kann. Inter­dis­zi­pli­na­rität muss ja nicht unbe­dingt heißen Bauingenieur*innen arbeiten mit Per­sonen in der Sozialen Arbeit zusammen, sondern Inter­dis­zi­pli­na­ritäts-Erfah­rungen gibt es schon innerhalb dessen, was ich jetzt von außen als eine Dis­ziplin wahr­nehmen würde.

Und bei den Designer*innen ist das ja zum Bei­spiel auch so, dass immer von dem inter­dis­zi­pli­nären Studium an der FH Potsdam gesprochen wird, wenn gemeint wird, dass Kommunikationsdesigner*innen und Interfacedesigner*innen und Produktdesigner*innen zusam­men­ar­beiten.

Bei uns in den Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaften ist das auch nicht anders. Also sicherlich auch etwas, was erstmal relativ ein­heitlich von außen wirkt, aber es gibt einen Unter­schied in der beruf­lichen Praxis und auch in der fach­lichen Sozia­li­sation zwi­schen Men­schen, die im Archiv arbeiten und Leuten, die in Biblio­theken arbeiten. Sie haben mit dieser Insti­tution einen völlig anderen Auftrag und ent­spre­chend eine ganz andere Arbeits­praxis. Und das, obwohl sie sich ja alle mit Bewahren von Wissen und Zugäng­lich­machen von Wissen aus­ein­an­der­setzen. Nochmal anders sind die bei uns stark in den wirt­schaft­lichen Bereich ori­en­tierten Infor­ma­tions- und Datenmanager*innen.

Und da haben wir ja auch das Pots­damer Modell, so nennt sich das ja, dass wir im Prinzip diese drei Stu­di­en­gänge von­ein­ander getrennt haben, aber einen sehr breiten inter­dis­zi­pli­nären Anteil von Kursen haben, den die Stu­die­rende ent­weder alle als eine Form von Grund­la­gen­studium haben oder wo sie zumindest im Wahl­pflicht­be­reich eben auch tau­schen können.

Niclas
Ich glaube, dass man tat­sächlich neben der Inter­dis­zi­pli­na­rität innerhalb eines Fach­schwer­punktes trotzdem Türen darüber hinaus auf­stoßen müsste, gerade wo wir das Glück haben neben Ingenieur*innen, Informationswissenschaftler*innen und auch Sozialwissenschaftler*innen zu arbeiten.

Alles was wir hier an Lehr­ge­bieten anbieten, ist irgendwann für Men­schen. Es ist wichtig, dass man einen Ein­druck davon ver­mittelt bekommt, wie Men­schen ticken. Erstens ver­ändert sich das andauernd und zweitens ist nicht jeder von Haus aus mit einer so freud­vollen Sozia­li­sation aus­ge­stattet, dass er*sie es während seines Erwach­sen­werdens von sich aus auf­nehmen konnte.

Gerade in Zeiten in denen wir poli­tisch wieder in radi­kalen Ufern zuwenden, finde ich es spannend einen Ort bereit­zu­stellen, wo wir sagen: Hier wird neutral betrachtet, von allen Seiten. Wir schauen uns alle Mei­nungen an, wir stellen fest, dass jeder eine Meinung haben darf und dass sich daraus trotzdem unter­schied­liche Ver­hal­tens­typen ableiten lassen. Und für all die bereite ich Infor­ma­tionen auf und baue dann Straßen, Häuser, Brücken.

Es ist einfach ein glück­licher Moment, wenn man in der Aus­bildung die Mög­lichkeit hat über den Tel­lerrand zu blicken. In meiner Aus­bildung habe ich Vor­le­sungen besucht, die mich the­ma­tisch ein bisschen inter­es­siert haben, aber während der Vor­lesung auch dachte, was bringt mir das jetzt konkret? Doch Jahre später konnte ich häufig Zusam­men­hänge her­stellen, wo ich dachte, das habe ich gerade aus einer Vor­lesung, die ich offen gestanden nicht ganz mit der Auf­merk­samkeit ver­folgt habe, die ich jetzt im Nachgang hätte widmen wollen. Aber es ist noch so viel hängen geblieben, dass ich mich daran erinnere und ich weiß, in welchen Büchern ich jetzt nach­schlagen muss.

Niclas See­liger im Gespräch. © Nikolas Ripka

Antje
Das finde ich total richtig und wichtig, denn es ist ja auch die Frage, wofür betreiben wir hier aka­de­mische Aus­bildung? Es ist nicht nur für die fach­liche Sozia­li­sation; sie ist ja auch dafür, als Bür­gerin oder Bürger in einer zunehmend kom­plexen Welt bestehen zu können und diese Sphäre auch aktiv gestalten zu können. Und ich glaube, dass diese Erfahrung sehr schnell ein­setzt, sobald es dann eben die ersten Pro­jekte außerhalb der Hoch­schule gibt.

Ich habe einige Pro­jekte, wo ich im Bereich der Mobi­li­täts­for­schung die Wis­sens­trans­fer­per­spektive betreue. In diesem Zusam­menhang war ich am Dienstag im Krampnitz-Forum der Lan­des­haupt­stadt Potsdam. Das ist ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­format, wo die Stadt ihre Planung zur Ent­stehung des neuen Stadt­teils immer wieder in die Öffent­lichkeit kom­mu­ni­ziert und mit ihr dis­ku­tiert. Am Dienstag war jetzt das Ver­kehrs­konzept dran und da waren gut 100 hoch­gradig auf­ge­bürstete Per­sonen der Stadt­be­völ­kerung da. Ich hatte auch den Ein­druck, dass die ange­spro­chenen extre­meren Gruppen der poli­ti­schen Grup­pie­rungen auch anwesend waren und es war am Anfang wirklich eine hoch­gradige Kra­wall­stimmung in dem Saal.

Und es ist tat­sächlich trotzdem sehr gut geglückt, denn es gab eine gute Mode­ration. Es wurde sach­ori­en­tiert dis­ku­tiert, das hat mich ehrlich gesagt über­rascht. Da war ein noch ver­hält­nis­mäßig junger Mann aus einem Inge­nieurbüro, der dann ein Gut­achten vor­ge­stellt hat. Der war ein bisschen ent­setzt über diesen Gegenwind, der ihm da verbal aber auch vom non­ver­balen Ver­halten so ent­gegen geschlagen ist.

Und das sind ja Dinge, mit denen man sich auch aus­ein­an­der­setzen muss, auch wenn man jetzt nicht die Lei­den­schaft hat, sich mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­theorien zu beschäf­tigen. Und Fähig­keiten ent­wi­ckeln, sowohl um beruflich bestehen zu können, aber auch um menschlich nicht total frus­triert raus­zu­gehen und dann als Bür­gerin oder Bürger zu ver­suchen sich sein ein­faches Weltbild zurecht­zu­zimmern aus solchen Erfah­rungen. Das finde ich einen enorm wich­tigen Auftrag, den wir eigentlich haben.

Niclas
Das stimmt. Ich glaube generell, in Fächern, in denen man irgendwann in eine Öffent­lichkeit treten muss oder kann, sollte man darauf vor­be­reitet werden, wie diese Öffent­lichkeit auch reagieren kann. Dass man also Werk­zeuge an die Hand bekommt, die einen nachts wieder in den Schlaf finden lassen wenn man so eine Erfahrung hinter sich hat.

Ein Bei­spiel außerhalb dieser Hoch­schule wäre viel­leicht die Medi­zi­ner­aus­bildung, die in die Kritik geraten ist. Aus­zu­bil­dende werden zwar hoch­spe­zia­li­siert aus­ge­bildet und für Phy­sio­logie-Krank­heits­bilder her­vor­ragend auf­ge­klärt. Doch dann machen sie ihre Prü­fungen, kriegen ihre Appro­bation, werden ins Kran­kenhaus gesteckt und müssen das erste Mal einem Ange­hö­rigen erklären, dass seine Mutter dieses Kran­kenhaus nicht mehr lebend ver­lassen wird. Da erwarten sie dann häufig Reak­tionen, die haben sie nie vorher erlebt. Damit werden die Leute alleine gelassen, es ist ein Sprung ins kalte Wasser.

Das war jetzt ein sehr extremes Bei­spiel, nichts­des­to­trotz, der Architekt, der einer Öffent­lichkeit einen Entwurf vor­ge­stellt hat und dafür aus ganz anderen Gründen erstmal ver­hauen wurde, der müsste diese Erfahrung vorher auch erleben.

Jörg
Gerade Archi­tektur ist die einzige Dis­ziplin an der Hoch­schule, wo ich sage, die erleben das schon während des Stu­diums. Weil es hier auch sehr aus­ge­prägt geübt wird, dass man den eigenen Entwurf vor ver­sam­melter Bühne im öffent­lichen Raum vor­stellen und ver­tei­digen muss. Für das Bau­in­ge­nieur­wesen gebe ich Ihnen da voll­kommen recht, die lernen das bei uns fast gar nicht.

Antje
Es ist ein Pra­xis­schock, wenn man bestimmte Dinge im öffent­lichen Raum außerhalb seiner Dis­ziplin prä­sen­tiert und mit sehr par­ti­ku­laren Inter­essen kon­fron­tiert ist. Wenn alle nur ihre Per­spektive ver­treten, wird das eine Kako­fonie, die man mode­rieren muss. Und man muss dann wirklich zu dem Punkt kommen und sehen, dass man in einer ersten Runde viel­leicht nicht alles aus­räumen kann, was da an Kritik einem ent­ge­gen­schlägt und damit umgehen können. Ich fand den Satz sehr schön, dass man lernen muss, wie man trotzdem abends noch in den Schlaf findet.

Niko
Erzählt doch mal, was bei euch gerade alles los ist. Was beschäftigt euch?

Jörg
Im Bau­in­ge­nieur­wesen sind wir momentan in einem großen Umbruch. Das Wort Digi­ta­li­sierung schlägt sich auf alle Aus­bil­dungs­be­reiche nieder und wir über­legen, wie man das in die Lehre inte­griert. Also wie man BIM-Modelle (Building Infor­mation Modelling) auch in die Lehre inte­griert, wie sinnvoll oder nicht sinnvoll das ist und wie das ange­wendet werden muss. Da sind wir momentan noch am Anfang.

Was wir als Fach­be­reich schon in den letzten Jahren ange­schoben haben ist die duale Aus­bildung. Dual heißt in dem Fall, dass wir die theo­re­tische Aus­bildung an der Hoch­schule haben und die Stu­die­renden in Firmen arbeiten und von den Firmen auch bezahlt werden. Und da ist bereits das dritte Semester mitt­ler­weile am Laufen und es ist sehr erfolg­reich, sicherlich auch dadurch bedingt, dass momentan das Bau­ge­schäft ganz gut läuft.

Wir hoffen, dass das wei­terhin so gut funk­tio­niert und würden es sogar noch aus­bauen wollen. Momentan sind wir in Gesprächen, wie wir mehr Stu­die­rende auf­nehmen können, wie wir viel­leicht noch ein bisschen was an zusätz­lichen Leh­renden akqui­rieren können. Weil das ja auch eine momentan vom Land besonders gewollte Aus­bil­dungsart ist. Und dann sind wir, weil wir auf Bachelor umge­stellt haben, auch dabei einen Master zu ent­wi­ckeln, der haupt­sächlich kon­struktiv aus­ge­richtet werden soll. Er soll sich ein bisschen von den Mas­ter­stu­di­en­gängen abheben, die es in Berlin gibt.

Jörg Röder im Gespräch. © Nikolas Ripka

Ansonsten haben wir ver­sucht, auch auf Anregung der Stu­die­renden ein bisschen inter­na­tio­naler zu werden, was unsere Exkur­sionen und Koope­ra­tionen angeht. Anfang des Semesters sind wir zum Bei­spiel mit 19 Stu­die­renden nach Georgien gereist und haben dort eine Exkursion durch das ganze Land gemacht, mit sehr viel Enga­gement und Unter­stützung von drei Stu­die­renden, die sich dort an der Orga­ni­sation beteiligt haben. Ich war ganz gespannt, wie das funk­tio­niert, weil wir in unserem Besuchs­pro­gramm doch relativ viele alte Gemäuer, Kirchen und Klöster anschauen wollten. Und in so einem Alter zwi­schen 20 und 30 weiß man nicht, auf wie viel Interesse das stößt. Doch ich war sehr positiv über­rascht, wie gut die ganze Gruppe mit­ge­macht hat, die haben sehr gut har­mo­niert. Es war eine sehr schöne Erfahrung und ich glaube auch den Stu­die­renden hat es sehr gut gefallen.

Und jetzt haben wir noch ein letztes Projekt in Usbe­kistan, da waren wir gerade vor einer Woche. Wir hatten ja mal einen gemein­samen Mas­ter­stu­di­engang, den deutsch-usbe­ki­schen Master Bau­er­haltung. Das soll wieder auf­leben, denn es schei­terte am Ende am Geld, dass dieser Stu­di­engang nicht mehr durch­ge­führt werden konnte. Jetzt gibt es zumindest Signale aus Usbe­kistan, dass Interesse besteht, es wei­ter­zu­führen und viel­leicht auch von usbe­ki­scher Seite finan­ziell zu begleiten.

Jetzt kommen erstmal 5 oder 6 Stu­die­rende aus Usbe­kistan im Som­mer­se­mester nach Potsdam und schauen sich hier das Studium an. Sie sollen haupt­sächlich die Sprache lernen und ein bisschen stu­dieren. Wir hoffen, dass wir dort in der usbe­ki­schen Uni­ver­sität in Taschkent dann Brü­cken­köpfe haben, die viel­leicht zum Mas­ter­studium noch einmal nach Potsdam zurück­kehren.

Ziel ist es, einen Aus­tausch zu gene­rieren und gleich­zeitig auch gemeinsame Pro­jekte gestalten zu können, um die reichlich vor­han­denen Kul­tur­güter in Usbe­kistan zu sichern und viel­leicht auch mal zu restau­rieren. Dafür sind wir als Hoch­schule wun­derbar auf­ge­stellt, da sind wir wieder bei der Inter­dis­zi­pli­na­rität, weil wir als Bauingenieur*innen für den bau­er­hal­tenden Teil zuständig wären, die Architekt*innen für Entwurf und Denk­mal­pflege und die Restaurator*innen für das Umsetzen der klein­tei­ligen Arbeit am Objekt.

Antje
Bei uns in den Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaften bereiten wir uns gerade wieder auf die Reak­kre­di­tierung unserer Stu­di­en­gänge vor. Alle drei Bache­lor­stu­di­en­gänge und auch der Master müssen wieder reak­kre­di­tiert werden und das nehmen wir natürlich auch zum Anlass, uns Gedanken darüber zu machen, ob wir die Stu­di­en­gänge inhaltlich neu aus­richten oder ver­ändern sollen.

Wir haben auch einen gewissen Genera­ti­ons­wechsel bei uns. Das, was du zu den Bau­in­ge­nieur­dis­zi­plinen gesagt hast, spiegelt sich bei uns ganz klar wider: die Digi­ta­li­sierung beein­flusst unsere Berufs­felder auch sehr deutlich. Das ist bei uns zwar jetzt schon stark in den Cur­ricula ver­ankert, aber nichts­des­to­trotz geht das immer weiter. Ein kleines Bei­spiel: im Archiv, wenn jetzt die Archi­vierung digi­taler Ver­wal­tungs­un­ter­lagen kommt, führt das natürlich auch dazu, dass der Mas­sen­prozess von Archi­vierung eben auch sehr stark zukünftig mit genuin digi­talen Doku­menten (soge­nannten „Born Digitals“ zu tun haben wird. Das wird bei uns zukünftig noch stärker ent­wi­ckelt werden müssen.

Mich inter­es­siert das natürlich auch aus der Per­spektive meiner Aufgabe in der Aka­de­mi­schen Selbst­ver­waltung, wo ich ja eben das Zentrum für digitale Lehre (ZEDI), das wir kürzlich gegründet haben, leite, und wir dem­entspre­chend auch ein Bedarfs­er­mitt­lungs­ver­fahren über die Hoch­schule gemacht haben. Da hat sich gezeigt, dass die Bedarfe gar nicht so unter­schiedlich sind, was die Fächer betrifft.

Es ist eher die Frage, die ganze Band­breite zwi­schen unter­schied­lichen Lehr- und Lern­ge­wohn­heiten reflek­tieren zu können, die sich durch die unter­schied­liche Gestaltung von Stu­di­en­gängen auch abbilden. Da glaube ich auch, dass man mit Ansätzen digi­taler Lehre auch nochmal arbeiten sollte. Viel­leicht ist das ja auch durchaus ein Punkt, wo wir sagen können, wir schauen uns das zusammen an.

Jörg
Kann ich mir gut vor­stellen!

Antje
Ja, das fände ich schön. Und bei mir selber ist dann auch noch die schöne Her­aus­for­derung zwi­schen Lehre, Aka­de­mi­scher Selbst­ver­waltung und For­schung die Balance zu finden. In For­schung und Transfer bin ich bei diesen beiden Mobi­li­täts­for­schungs­pro­jekten aktiv, in denen ich diese Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schnitt­stelle zwi­schen den unter­schied­lichen Sta­ke­holdern an Pla­nungs­pro­zessen mode­riere. Dafür bündele und kon­zi­piere ich auch Methoden, womit ich die Betei­ligung von unter­schied­lichen Akteur*innen der Öffent­lichkeit ein­be­ziehen und orches­trieren kann.

Und dann haben wir auch dieses Jahr als Fach­hoch­schule Potsdam die Prä­senz­stelle Lucken­walde zusammen mit der Tech­ni­schen Hoch­schule Wildau gegründet. Das ist ein Projekt, das ich zusammen mit Tobias Schröder leite und wo es um die Frage geht: was wollen wir eigentlich als Fach­hoch­schule erreichen mit dem Transfer in die Region? Was haben wir anzu­bieten an Wissen, das wir trans­fe­rieren möchten? Wer könnten unsere Partner sein und wie möchten wir auch davon pro­fi­tieren können als Hoch­schule?

Zum Bei­spiel für die Akquise von Projektpartner*innen für pro­jekt­ori­en­tierte Mas­ter­stu­di­en­gänge oder Abschluss­pro­jekte im Bachelor. Dadurch könnten wir rezi­proken Wis­sens­aus­tausch gestalten. Ein bunter Strauß von Mög­lich­keiten und sicherlich auch etwas, was uns viel­leicht nicht an diesem Tisch bei Semi­kolon, aber viel­leicht in ein paar Jahren an Tische führen wird, um mit­ein­ander zu sprechen, was man da zusammen zu tun hat.

Antje, Michel, Niclas See­liger und Jörg Röder im Gespräch. © Nikolas Ripka

Niclas
Ganz sicher! Auch in der Ver­waltung ist man mit allen Bereichen ständig in Kontakt und arbeitet mit­ein­ander, was die Inter­dis­zi­pli­na­rität sicherlich nochmal unter­streicht und einem auch eine schöne Über­sicht über die gesamte Hoch­schule mit allen Facetten ermög­licht.

Das Jahr geht zu Ende und wir folgen dem mit einem Jah­res­ab­schluss, den wir gerade vor­be­reiten. In der Ver­waltung hat es 2019 einige Ände­rungen gegeben. Wir haben ein Schiff in lau­fender Fahrt über­nommen, das wir wäh­rend­dessen mit nur einer teil­be­dingten Betriebs­an­leitung gefahren sind und jetzt in der Fahrt ken­nen­lernen und durch­or­ga­ni­sieren. Dabei ent­decken wir das ein oder andere Kleinod, das es zu bewerten gilt.

Es hat völlig neue ver­schiedene Arten der Finan­zierung gegeben, die in aller Eile abge­bildet werden mussten. Wir müssen qua­li­tativ prüfen, ob wir die Finan­zie­rungs­struk­turen der ein­zelnen Bereiche abbilden und auch den Fach­be­reichen gegenüber zugänglich machen. Ob das mit Blick auf Trans­parenz und Infor­ma­ti­ons­gehalt ziel­führend ist oder nicht, wo wir gegen­steuern müssen oder wo wir viel­leicht kom­plett ins Neue denken müssten. Im Anschluss an den Jah­res­ab­schluss werden wir das Jahr, das gelaufen ist, ana­ly­sieren und die Zukunft darauf aus­zu­richten.

Jörg
Spannend, ins­be­sondere vor dem Hin­ter­grund, dass wir bei diesem Anliegen, das wir besprochen haben, zu Lösungen kommen, die für alle Seiten ver­träglich sind.

Niclas
Das sollte grund­sätzlich möglich sein. Das Wesent­liche ist, dass man früh­zeitig mit­ein­ander ins Gespräch kommt, um sich gemeinsam über alle Rah­men­be­din­gungen zu infor­mieren und dass man bestimmte Vor­stel­lungen dann viel­leicht früh­zeitig dahin­gehend anpasst an Vor­aus­set­zungen, die gegeben sind oder ggf. gar nicht zu ver­ant­worten hat, weil sie über viel höhere Stellen gestellt werden.

Usbe­kistan zum Bei­spiel, diese Pro­jekte werden häufig durch Dritt­mit­tel­fi­nan­zierung des DAAD (Deut­scher Aka­de­mi­scher Aus­tausch­dienst) gefördert. Dieser hat eine sehr inter­es­sante Vor­stellung davon, wie ihre Pro­jekt­fi­nan­zierung abzu­laufen hat, mit einer sehr har­schen End­be­wertung. Ent­weder Sie haben alles richtig gemacht und dann bekommen Sie einen feuchten Hän­de­druck, eine Glück­wunsch­karte und dürfen das Geld aus­ge­geben haben, das sie aus­ge­geben haben. Oder sie haben Fehler gemacht und zahlen den vollen Betrag in Gänze zurück.

Und das ist ein gewisses Damo­kles­schwert, ins­be­sondere wenn es um mehr­jährige För­de­rungen und um viel viel Geld geht, viel­leicht auch noch spe­zielle Inves­ti­ti­ons­ob­jekte ange­schafft wurden, all das ist davon betroffen. Die Hoch­schule und das ganze Team vor solchen Schäden zu bewahren – das auch ist Aufgabe der Ver­waltung. Und wenn man früh­zeitig inter­ve­niert und Anmer­kungen macht, die man viel­leicht gar nicht so hören will, dann möchte man nur den Schaden bewahren, der kommen kann.

Niko
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben!

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