Mitten im Semester

Ich habe Judith Ackermann, Marian Dörk und Matthias Hauf eingeladen, bei einem Kaffee über ihre aktuellen Projekte zu sprechen und einen Einblick in ihre Arbeit und ihre aktuellen Projekte zu geben. An einem bewölkten Morgen treffen wir uns in einem kleinen Besprechungsraum im Hauptgebäude. Matthias bringt Kekse mit.

Niko
Willkommen! Wollt ihr euch kurz vorstellen? Danach könnt ihr einfach erzählen, was ihr gerade für Projekte macht. Es wird ein Gespräch unter euch sein, ich werde zwischendurch keine Fragen stellen.

Judith
Hallo, ich bin Judith Ackermann und habe seit dem Wintersemester 2016/17 die Professur „Digitale und vernetzte Medien in der Sozialen Arbeit“ inne. Ich baue diesen Schwerpunkt ganz neu auf für die Studiengänge Soziale Arbeit und Bildung und Erziehung in der Kindheit und bin gerade ganz aufgeregt, weil wir im nächsten Semester ein neues Modul „Digitale Medien und Ästhetik“ bekommen. Dann wechseln Medien aus dem Wahlbereich in den Pflichtbereich und wir geben den Studierenden eine medienbezogene Grundbildung, sodass sie dann informiert entscheiden können, inwiefern es für ihre Praxis eine Rolle spielt oder eben nicht.

Marian
Wie war es für dich zum Zeitpunkt, als dieser Schwerpunkt noch keine Pflicht war?

Judith
Ich habe es als eine Überraschung empfunden, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte. Ich komme aus der Medienwissenschaft und da ist quasi eine der Prämissen, dass Medien in gesellschaftlichen Prozessen eine wichtige Rolle spielen und wir uns damit befassen müssen. Aber hier war es nicht das Thema Nr. 1 für die Studierenden. Die ersten Seminare waren auch noch sehr, sehr leer. Und so nach und nach, natürlich auch durch Mundpropaganda, und dass man gesehen hat, was wir da so machen, füllte es sich dann doch in den Wahlbereichen. Aber es hat schon auch ein paar Semester gedauert.

Ich bin ganz stolz, dass ich jetzt ein Wahlseminar habe, wo wirklich alle Plätze besetzt sind im Raum, das war so mein kleiner Erfolg in der Lehre! Scheinbar wird doch wahrgenommen, dass es was ist, wo man nicht vorbeigehen kann, ohne dass man sich damit beschäftigt. Denn in der sozialen Arbeit betrifft uns das ja nicht nur persönlich in unserem eigenen Handeln, sondern man findet auch in der Profession selbst eigentlich überall digitalisierte Prozesse.

Matthias
Es ist erstaunlich, was du erzählst. Dann wurde ja das Pferd von hinten aufgezäumt! Jemand hat diese Vision gehabt und ist mit dem Schritt vorangegangen, um dann festzustellen, dass die Studierenden am Anfang das gar nicht annehmen. Darüber bin ich ein bisschen verwundert, dass war mir so nicht bewusst.

Judith
Das war für alle vielleicht eine Überraschung (lacht). Das ist ja was, was in Fachbereichen an vielen Standorten passiert, dass man eben erkennt, da fehlt irgendwas in unserem Modul. Und da sind wir gar nicht so spät dabei gewesen, sondern eigentlich noch eine der früheren Hochschulen, welche Digitalisierung und Medien in die Soziale Arbeit als Pflichtfach umgesetzt haben.

Aber da es sich eben noch nicht in der Modulstruktur abbildet, konkurriert es mit Themen, die vielleicht mehr hardcore soziale Arbeit sind, und Studierende, die sich entscheiden müssen, machen sich vielleicht Sorgen, dass sie davon etwas verpassen könnten. Deshalb ist es wichtig, dass wir diesen Wandel in der Modulstruktur haben, dass man weiß „Okay, das ist auch ein Bereich, der relevant ist für die Praxis“. Und dann kann man schauen, was man darauf aufbauen kann. Aber es sind längerfristige Prozesse tatsächlich.

Marian
Dann könnte ich jetzt den Staffelstab übernehmen: Ich heiße Marian Dörk und bin seit dem Wintersemester 2013/14 an der Fachhochschule Potsdam, ich kann also nicht mehr sagen, dass ich neu bin! Ich habe eine Forschungsprofessur für Informationsvisualisierung und vertrete dieses Themengebiet sowohl in Lehre als auch Forschung.

Der Modus der Forschungsprofessur erlaubt und erfordert, dass ich Forschungsprojekte an die FH hole, insbesondere im Bereich der Visualisierung. Ich sehe das aber auch als Mission, meine Forschungsthemen immer wieder in Lehrveranstaltungen einzubringen, also dass dies nicht zwei hermetisch abgeschlossene Bereiche sind, Forschung und Lehre, sondern dass sie sich gegenseitig befruchten können.


Marian Dörk im Gespräch. © Nikolas Ripka

Im Bereich Lehre gebe ich diesen Sommer gerade mein Lieblingskursformat: die InfoVis Reading Group. Also ich gebe einen Lektürekurs zu Informationsvisualisierung auf Englisch, das mache ich sehr gerne. Das ist sowohl vom Format total spannend, auch weil es ganz stark von den Studierenden geformt wird, indem sie wählen, was gelesen und diskutiert wird. Am Ende wird das dann in einer Hausarbeit zusammengefasst.

Ansonsten mache ich noch noch eine Einführung in die Informationsvisualisierung und einen experimentellen Entwurfskurs im Fachbereich Design mit Prof. Franziska Morlok, zu Feminismus und Datenessays. Also: Informationsvisualisierung trifft auf redaktionelle Gestaltung mit besonderem Fokus auf das feministische Konzept der Intersektionalität.

Judith
Ach, das ist gerade gestartet!

Marian
Ja, genau! Das ging jetzt im April los. Wir kooperieren in dem Kurs mit dem Center for Intersectional Justice (CIJ), eine gemeinnützige Organisation, die sich mit Gleichstellung, Gleichbehandlung und Gerechtigkeit beschäftigt. Das ist interessant, weil es eine Aktivität im Lehrbereich mit sehr aktuellem Bezug ist, aber es deutet sich bereits an, dass da eigentlich noch mehr in Richtung Forschung passieren könnte.

Der CIJ widmet sich akademisch als auch zivilgesellschaftlich dem Thema Intersektionalität, was quasi eine mehrdimensionale Perspektive auf Feminismus, Diskriminierung und Macht anbietet. Es ist ganz spannend, weil dieser vielleicht theoretische Begriff Intersektionalität sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert hat, aber er gewinnt gerade enorm an gesellschaftlicher Relevanz. Da sind die Studierenden an einem aktuellen Thema dran, was viele Fragen und Herausforderungen aufwirft. Eine Frage ist beispielsweise, wie man so komplexe Konzepte vermitteln kann, dass es verständlich wird und dass man damit Veränderungen in Gang setzen kann.

Judith
Und wir haben ja auch so ein Lehrbaby zusammen, Marian und ich (lacht), weil unser Team, Magdalena Kovarik und Benjamin Egger dieses Semester zusammen einen InterFlex-Kurs anbieten mit dem Namen „Remixing Sanssouci“. Und da geht es darum, digitale Artefakte zu erstellen in Bezug auf die Gärten der SPSG (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg), die eine der Projektpartner bei uns im Vorhaben PKKB (Postdigitale Kunstpraktiken in der Kulturellen Bildung) sind.

Marian
Wir wimmeln nur von Abkürzungen!

Judith
Ja, wir sind voll von Akronymen! Also Akronyme sind super wichtig im Projektgeschäft, es wird unterschätzt, aber es ist total wichtig, dass es sich nach irgendwas Interessantem anhört (lacht). Na ja, und nach den Ergebnissen des Kurses wird dann eine Online-Ausstellung entstehen, und da sind wir schon ganz gespannt, was da passiert.

Marian
Und das ist ein schönes Beispiel für ein umfassendes Projekt, über vier Jahre mit einem ganz tollen Netzwerk an Partnern. Das passiert dann nicht nur im Projektbüro, sondern wir haben viele Kurse dazu gegeben. Diese Impulse von den Studierenden sind auch maßgeblich und entwickeln eine kritische Relevanz für die Projekte. So erhoffen wir es uns auch von diesem Kurs. Da ging auch schon viel Vorbereitungszeit rein, es ist ja nicht einfach so „ja, wir treffen uns mal mit den Studis“ sondern es ist schon Arbeit.

Judith
Ja, es ist schon Arbeit! (lacht)
Aber klar, je mehr man in diese Gestaltung der Lehrformate investiert, desto eher kann man da etwas rausziehen. Das ist glaube ich schon das Spannende, dass Lehre und Forschung immer miteinander einhergehen. Und das ist auch wichtig, gerade für uns als FH, dass man es erkennt, wie sich das gegenseitig befruchtet.

Marian
Ja, total.

Judith
Was steht denn bei euch gerade an, Matthias?

Matthias
Also, dann fange ich erstmal an und toppe den Marian! Mein Name ist Matthias Hauf und ich bin seit August 1999 an dieser Hochschule …

Judith
Woooow!

Marian
Schon bald 20 Jahre …

Matthias
Ja, es ist bald mein Jubiläum, ich lade euch dann ins Casino ein (lacht).
Ich habe hier angefangen als Projektmitarbeiter und bin dann im Laufe der Jahre in die Administration gerutscht, in die Vorbereitung und Begleitung von Forschungs- und Transfervorhaben. Später habe ich den jetzigen Forschungsservice aufgebaut, der die Forschung- und Entwicklungsinteressierten FH-Mitglieder bei der Beantragung von Projekten und Drittmitteln unterstützt. Parallel bin ich auch eine Art „Referent“ des jeweils zuständigen Vizepräsidenten für Forschung geworden.

Unter anderem bearbeite ich viele strategische Fragen, z.B. aktuell den Aufbau der Präsenzstelle in Luckenwalde. Dazu kam die Anfrage von der TH Wildau, ob wir mit ihnen zusammen aktiv werden wollen. Im Hochschulvertrag steht, dass sich die Hochschulen verpflichten, sich am Aufbau von sogenannten Präsenzstellen in der Fläche des Landes Brandenburg zu beteiligen. Die ganze Vorarbeit, die Abstimmungen mit Partnern und Ministerium, wer kann was wie einbringen, und machen wir es überhaupt … Das sind eben so Projekte bei mir.


Matthias Hauf mit einem seiner mitgebrachten Kekse. © Nikolas Ripka

Vor zwei Wochen waren zwei Studierende bei mir, die im letzten Wintersemester den InterFlex-Kurs „Grüner wird’s nicht“ gemacht haben, in dem es um Nachhaltigkeit ging. Sie wollten Lehrmodule und Forschungsprojekte der FHP erfassen, die mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun haben. Und sie haben bestätigt, was ich seit Jahren kenne: nämlich, dass es in dieser Hochschule unwahrscheinlich schwer ist, an Daten ranzukommen. Es gibt wirklich kaum zentrale Übersichten oder Datenbanken.

Das finde ich schade, weil wir eine Hochschule sind, die sich im Fachbereich Informationswissenschaften mit Datenmanagement beschäftigt, und im Fachbereich Design viele Visualisierungsprojekte bearbeitet. Ich verstehe immer nicht, wieso wir so selten zusammenkommen, wenn es um eigene Herausforderungen geht. Man macht viel mit externen Partnern, das ist auch gut und wichtig, man macht auch einiges intern wie InterFlex oder bei Projekten wie bei euch, aber ich glaube, dass man irre viel Potenzial hat, das man in Zukunft stärker als bisher gemeinsam nutzen muss.

Die FH Potsdam hat sicher einen Standortvorteil, aber wenn man in die letzten großen Wettbewerbe guckt, wo die Hochschulen untereinander im Wettbewerb stehen, z.B. „Innovative Hochschule“ oder im letzten Jahr das Fachhochschul-Zukunftsprogramm des Landes Brandenburg, sind wir nicht wirklich erfolgreich. Da müssen wir uns als Hochschule gemeinsam stärker an die eigene Nase fassen und uns zusammentun – was können wir wirklich gemeinsam machen und wie kann man die Hochschule insgesamt voranbringen. Das ist ein Megaprojekt.

Judith
Also mehr Austauschformate für die Fachbereiche finden, um Forschungskooperationen anzubahnen?

Matthias
Ja bzw. auch vorhandene Instrumente, wie das Instrument der Forschungsprofessuren nutzen. Ich wundere mich immer, dass da keine Anträge aus den Fachbereichen kommen. Es gibt auch den internen Forschungsfonds, der eigentlich sehr gut nachgefragt wird, vor allem aus dem FB1. Und ich glaube die vorhandenen Instrumente weiter auszubauen, sie zu finanzieren und positiv bewerben, das bringt im Ergebnis die Zusammenarbeit und dass man wirklich miteinander nach vorne denkt.

Judith
Und sie nicht so einzeln verpuffen.

Matthias
Genau. Ich verstehe ja, in der Wissenschaft ist das so, dass wenn man weiter wissenschaftliche Karriere machen will, nur die eigenen Erfolge zählen. Aber wir sind natürlich als Hochschule von öffentlichen Geldgebern abhängig, und die haben zunehmend stärker eigene Erwartungen. Das ist das, was du Marian angesprochen hast: wie stark beteiligt sich die Hochschule mit ihren Projekten an der Gestaltung der Gesellschaft oder an der Lösung gesellschaftlicher Probleme? Und davon hat Brandenburg einen ganzen Sack voll. Die einzelnen Akteure bekommen das nicht so direkt mit, aber die Hochschulleitung schon, wenn vom Ministerium oder Landtag die Frage kommt: was tut ihr eigentlich für die Region? Das ist letztlich immer ein Geben und Nehmen, da muss man ein gutes Gleichgewicht wahren.

Marian
Also, um das mal erwähnt zu haben: wir haben ein hyperlokales Kooperationsprojekt. Wir haben jetzt ein Jahr mit dem Theodor-Fontane-Archiv (Luftlinie 1km von der FHP entfernt) kooperiert, da ging es darum, die Lesespuren dieses deutschen Literaten zu visualisieren.

Judith
Auch wir haben gerade eine schöne Kooperation mit dem Landtag Brandenburg. Da entwickeln wir Methoden, um mit Vorschulkindern den Landtag zu erkunden. Das ist auch was, wo wir sehr lokal unterwegs sind. Aber das ist glaube ich nicht immer so direkt sichtbar.


Judith Ackermann im Gespräch. © Nikolas Ripka

Matthias
Das ist der Punkt und was ich vorhin meinte: uns fehlt eine Übersicht. So was haben andere Hochschulen durchaus: eine Projektdatenbank oder ein Informationssystem, wo eben alle Aktivitäten eingetragen und recherchierbar sind. Das ist sicherlich auch ein Problem, dass wir nicht genug aus dem machen, was hier wirklich läuft.

Marian
Also … Es ist jetzt kein Aber, aber (lacht): ich habe das Gefühl, dass der Modus des Umgangs hier an der FH, innerhalb der Fachbereiche, der Verwaltung, aber auch darüber hinaus, dass der so freundlich, kollegial, offen ist, dass man eigentlich regelmäßig von interessanten Aktivitäten erfährt. Ich bin mit Vielen im Austausch, egal ob man in der Cafeteria an der Kasse ist, oder man sitzt zufällig am Mensatisch zusammen, oder viele von uns pendeln und man trifft sich im Regio oder so. Also ich glaube die Übersicht wäre auch hilfreich, aber ich finde, die angenehme Größe der Fachhochschule und die Offenheit für den gegenseitigen Austausch helfen dabei, dass dann doch Initiativen der Zusammenarbeit entstehen.

Nichts gegen Infrastruktur, Übersichten und Daten sammeln für wichtige Themen – aber die kurzen Wege und der freundliche Ton machen am Ende auch viel aus, um dann doch tolle Sachen loszutreten.

Judith
Ich finde gerade in der Kommunikation mit euch, dass ich das ganz anders kenne von anderen Hochschulen, und es toll finde, wie man hier unterstützt wird. Janina Lehmann hat uns teilweise auch abends auf Zuruf noch drei Zahlen geändert oder eine Begründung geschrieben – also das war schon super! (lacht) Ich habe auch das Gefühl, dass man informiert wird, was es für Ausschreibungen gibt, und wer sich vielleicht darauf bewerben könnte.

Aber ich denke, das schließt sich ja nicht aus. Einerseits hat man ja nach Innen diesen Austausch, den ich auch so wahrnehme, der aber nicht alle von uns betrifft. Da hängt es auch an der eigenen Person ab, wie oft bin ich jetzt in der Cafeteria, und wie bin ich auf Dialog ausgerichtet, wie viele Leute kenne ich? Ich glaube man kann hier auch gut existieren, ohne in diesen Austausch zu treten.

Und das andere ist eine Sichtbarkeit nach Außen. Und da hätte ich tatsächlich auch gedacht, dass wir diese Projektdatenbank haben, weil wir ja zumindest von unseren Personenseiten immer auf Projektseiten verlinken.

Matthias
Ja, das ist die Projektdatenbank im TYPO3. Da kann man eine Menge eintragen, aber sie ist für Berichterstattung schlecht recherchierbar. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht so richtig, wie sie funktioniert. Da passieren merkwürdige Sachen: man kann irgendwo einen Haken setzen bei Forschungsprojekt aber das ist alles nicht so qualitätskontrolliert (lacht). Aber ich glaube, dass ist ein anderes Problem der Öffentlichkeitsarbeit und unseres Webauftritts.

Judith
Aber da wird ja gerade ein bisschen daran gearbeitet, das habe ich nämlich in einem Gespräch mitbekommen … Da gibt es gerade ein Seminar im Design, wo es um die Überarbeitung der Webseite geht. Also vielleicht passiert auch in der Richtung was!

Matthias
Na ja, es wird was passieren. Ein Großteil der Software, die in der Hochschule zur Verwaltung genutzt wird, ist auf der Basis von HIS (Hochschul-Informations-System). Und HIS hat im letzten Jahr ein Forschungs-Informationssystem-Modul gebaut. Das soll in diesem Jahr voraussichtlich auch implementiert werden. Ich bin hier vorsichtig, weil wir natürlich dafür extra bezahlen müssen.

Marian
Was mich noch interessieren würde ist: wie geht es weiter? Was sind die Themen am Horizont? Es gibt ja einerseits Anträge und Sachen, die man in einem Jahr machen möchte oder so. Aber du hast ja demnächst einen Projektstart, hoffentlich?

Judith
Genau, ich warte auf meinen Zuwendungsbescheid, aber ich weiß nicht, wie öffentlich man das dann schon kommuniziert? (lacht) Also ich warte auf was, und würde eventuell im Sommer ein ganz spannendes neues Projekt starten, was ich zusammen mit Frank Heidmann vom Fachbereich Design dann, wenn es klappte, eingeworben hätte, und wo wir dann drei Jahre arbeiten würden, zu einem Thema, zu dem ich wahrscheinlich jetzt noch nichts sagen darf. Oder vielleicht doch?

Matthias
Der Antrag ist ja nicht geheim, er ist ja öffentlich, also …

Judith
Okay, Matthias ist ja praktischerschweise da! (lacht) Also das Thema lautet digitale Inklusion im Kontext sozialer Angststörungen. Da geht es darum, einen Makerspace aufzusetzen, sodass Personen mit sozialen Angststörungen in kleinen Gruppenkonstellationen sehr niedrigschwellig gemeinsam Technologien entwickeln können, die ihnen vielleicht an verschiedenen Stellen Erleichterungen schaffen können. Und wenn es klappt, dann ist das, was jetzt ansteht!

Und langfristig hätte ich total Lust, etwas im Bereich Robotik zu machen. Ich habe dazu schon Ideen, also wenn das jemand liest, der oder die einen Schwerpunkt in Robotik hat und Lust hätte, mit mir was zusammen zu machen, ich hätte schon eine Idee! (lacht)

Matthias
An dieser Stelle der Hinweis, dass die Präsenzstelle in Luckenwalde, die von der TH Wildau und der FH Potsdam aufgebaut wird, eine 800m2 große Halle ist. Sie soll in drei Bereiche geteilt werden: Makerspace, Co-Working-Space und Showroom. Luckenwalde ist zwar von Potsdam aus nicht so richtig toll zu erreichen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass dort bestimmte Projekte, gerade wenn man Praxispartner integrieren will, durchgeführt werden können. Die Kollegen in Wildau beschäftigten sich in der Tat auch mit Robotern, es ist ja eine Technische Hochschule.

Judith
Gut, dass wir zusammensitzen! Wie immer! (lacht) Magst du denn noch generell etwas zu dieser Präsenzstelle sagen?


Zwischen Kaffee und Keksen. © Nikolas Ripka

Matthias
In Brandenburg gibt es diverse sogenannte regionale Wachstumskerne, einer davon ist Luckenwalde. Die Landesregierung hat beschlossen, dass jeder regionale Wachstumskern, der nicht sowieso eine Hochschule in seinem Einzugsbereich hat, eine Präsenzstelle bekommen soll. Das Land zahlt dafür zunächst für zwei Jahre, das hängt mit dem Landeshaushalt zusammen – perspektivisch natürlich länger.

Ziel ist, seitens der Landesregierung, dass das Matching zwischen Unternehmen, Verwaltung, Zivilgesellschaft in diesem eher ländlichen Raum und den Hochschulen besser klappt. Eigentlich so eine Art Infobüro. Wildau und wir haben aber nach dem ersten Gespräch gesagt, das ist uns zu wenig, wir wollen da inhaltlich mehr erreichen. Und die Landesregierung hat erstaunlicherweise gesagt, das hört sich ganz interessant an, z.B. diese Dreiteilung, um gleich verschiedene Aspekte anzubieten, und gesagt, wir versuchen das mit euch.

Die TH Wildau ist am 01.04. mit zwei Stellen gestartet. Und wir steigen voraussichtlich am 01.07. mit einer Stelle ein. In welche Richtung das gehen wird, dazu kann ich jetzt noch nicht viel sagen. Aber interessante FHP-Projekte wie z.B. Quartiersmanagement-Fragestellungen des FB1, wie sie z.B. am Schlaatz liefen oder PASYMO, das Projekt von Tobias Schröder aus dem Institut, die kann man natürlich auch vor Ort in Luckenwalde machen. Dann hätten wir eine Art Reallabor.

Ich glaube ohnehin, dass die Themen, die wir an der FHP schwerpunktmäßig in der Forschung bedienen, also alles was Richtung digitaler Wandel, Transformation, Urbane Zukunft geht, eine gute Ausgangsposition für Kooperationen sind. Und ich glaube, das sollte die Hochschulleitung noch offensiver pushen. Denn unter dem Label „Fachhochschule Potsdam“ zu fahren, finde ich ein bisschen altbacken, wo alle anderen Hochschulen sich deutlich stärker im Namen schon zu einem bestimmten Schwerpunkt einlassen. Wie die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde zum Beispiel.

Ich glaube, da wird in Zukunft noch eine Menge Bedarf sein, darüber zu reden, wer wir sind, was wir wollen, ob das alles unter diesem Label so passt. Aber ich sehe auch echt gute Chancen. Wir hatten 2015/16 den Stifterverband hier, die die gesamte FHP in einem sogenannten Transfer-Audit durchleuchtet haben. Und da haben sie sich die Potenziale der Hochschule angeguckt und ich fand, dass sie ein ziemlich gutes Fazit hatten: Ihr seid als kleine Hochschule sehr heterogen aufgestellt, das macht viele Prozesse nicht so richtig einfach, das macht es kompliziert, aber seht es positiv. Ihr habt damit eine Riesenchance für die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und für interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Das hatten wir vorhin schon mal, die interne Zusammenarbeit wäre echt der Punkt, an dem man sich begegnen kann, an interdisziplinären Aufgabenstellungen.

Judith
Und was sind deine geheimen Pläne, Marian?

Marian
Ach, die sind gar nicht geheim. Es ist das Projekt VIDAN (Visuelle und dynamische Arrangements von Nachrichten). Da beschäftigen wir uns mit der Erforschung visueller Artikelformate, mit denen wir Daten nicht nur visualisieren, sondern auch erklären können. Das heißt, dass die Datenvisualisierungen stehen nicht für sich, sondern sind in sogenannten Datenessays eingebettet.

Da kooperieren wir mit einer interessanten kleinen Beratungsfirma zusammen, die mit kommunalen Unternehmen arbeitet, insbesondere im Bereich urbaner Wasserversorgung, Mobilität und Müllentsorgung. Da interessieren uns auch im Kontext Urbaner Zukunft städtische Transformationsprozesse im Bereich der Public Utilities, also Versorgerunternehmen. Wir wollen uns da genauer zeitliche und räumliche Muster anschauen. Können wir Komplexitäten und Dynamiken von urbanen Infrastrukturen so analysieren und aufbereiten, dass sie eben nicht primär für Ingenieure verständlich sind, sondern eben auch für eine interessierte Öffentlichkeit und involvierte Politik?

Hoffentlich wird es bei diesen Fragestellungen auch wieder diesen Austausch zwischen Forschung und Lehre geben. Im Kontext von Institut für angewandte Forschung und Masterstudiengang Urbane Zukunft behandeln wir ja bereits sehr ähnliche Themen.

Ein anderes Projekt ist – ich will nicht zu viele Fässe aufmachen (lacht) – eine Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin und anderen Partnern, wo wir uns im Kontext historischer Forschung mit der Entwicklung und Gestaltung von Visualisierungstechniken beschäftigen. Da geht es insbesondere um Netzwerkanalysen auf Basis historischer Briefe, Manuskripte und Artikel, um zu untersuchen wie historische Akteurskonstellationen aussahen und wer von wem was in etwa wusste, also wer mit wem in Kontakt stand und welche Ideen ausgetauscht wurden. Hierfür werden wir neue Instrumente der Datenvisualisierung zur historischen Netzwerkanalyse entwickeln. Das starten wir jetzt im Juli.

Matthias
Der Zuwendungsbescheid ist schon da.

Marian
Ja, er ist schon da! Und das Projekt heißt SONAR.

Judith
Also es steht viel an, nicht? Es macht eigentlich Sinn, dass wir das jetzt regelmäßig machen und uns nochmal alle updaten.

Matthias
Und es könnte sein, dass da noch viel mehr entsteht. In der Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich mir meine Statistik angeguckt – und ohne jede Garantie für Quantität und Qualität der Zahlen bzw. deren Vollständigkeit – wir hatten so ein Durchschnitt in den letzten Jahren zwischen 20 bis 30 größere Drittmittelanträge. Im letzten Jahr waren es 18, aber in diesem Jahr wurden bis jetzt schon 16 eingereicht, also es scheint wieder ein Top-Jahr zu werden. Man kann natürlich nicht immer eine geradlinige Steigerung sehen; die Projekte, die da sind, müssen ja erstmal abgearbeitet werden. Aber wie gesagt, ich glaube, die Hochschule ist auf einem ganz guten Weg, was die Projekt-Aktivitäten angeht.

Niko
Vielen Dank für das Gespräch!

Judith
Danke, es hat Spaß gemacht!

Marian
Danke und dito!

Matthias
Danke!

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