Mitten im Semester

© Nikolas Ripka

Ich habe Judith Ackermann, Marian Dörk und Mat­thias Hauf ein­ge­laden, bei einem Kaffee über ihre aktu­ellen Pro­jekte zu sprechen und einen Ein­blick in ihre Arbeit und ihre aktu­ellen Pro­jekte zu geben. An einem bewölkten Morgen treffen wir uns in einem kleinen Bespre­chungsraum im Haupt­ge­bäude. Mat­thias bringt Kekse mit.

Niko
Will­kommen! Wollt ihr euch kurz vor­stellen? Danach könnt ihr einfach erzählen, was ihr gerade für Pro­jekte macht. Es wird ein Gespräch unter euch sein, ich werde zwi­schen­durch keine Fragen stellen.

Judith
Hallo, ich bin Judith Ackermann und habe seit dem Win­ter­se­mester 2016/17 die Pro­fessur „Digitale und ver­netzte Medien in der Sozialen Arbeit“ inne. Ich baue diesen Schwer­punkt ganz neu auf für die Stu­di­en­gänge Soziale Arbeit und Bildung und Erziehung in der Kindheit und bin gerade ganz auf­geregt, weil wir im nächsten Semester ein neues Modul „Digitale Medien und Ästhetik“ bekommen. Dann wechseln Medien aus dem Wahl­be­reich in den Pflicht­be­reich und wir geben den Stu­die­renden eine medi­en­be­zogene Grund­bildung, sodass sie dann infor­miert ent­scheiden können, inwiefern es für ihre Praxis eine Rolle spielt oder eben nicht.

Marian
Wie war es für dich zum Zeit­punkt, als dieser Schwer­punkt noch keine Pflicht war?

Judith
Ich habe es als eine Über­ra­schung emp­funden, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte. Ich komme aus der Medi­en­wis­sen­schaft und da ist quasi eine der Prä­missen, dass Medien in gesell­schaft­lichen Pro­zessen eine wichtige Rolle spielen und wir uns damit befassen müssen. Aber hier war es nicht das Thema Nr. 1 für die Stu­die­renden. Die ersten Seminare waren auch noch sehr, sehr leer. Und so nach und nach, natürlich auch durch Mund­pro­pa­ganda, und dass man gesehen hat, was wir da so machen, füllte es sich dann doch in den Wahl­be­reichen. Aber es hat schon auch ein paar Semester gedauert.

Ich bin ganz stolz, dass ich jetzt ein Wahl­se­minar habe, wo wirklich alle Plätze besetzt sind im Raum, das war so mein kleiner Erfolg in der Lehre! Scheinbar wird doch wahr­ge­nommen, dass es was ist, wo man nicht vor­bei­gehen kann, ohne dass man sich damit beschäftigt. Denn in der sozialen Arbeit betrifft uns das ja nicht nur per­sönlich in unserem eigenen Handeln, sondern man findet auch in der Pro­fession selbst eigentlich überall digi­ta­li­sierte Pro­zesse.

Mat­thias
Es ist erstaunlich, was du erzählst. Dann wurde ja das Pferd von hinten auf­ge­zäumt! Jemand hat diese Vision gehabt und ist mit dem Schritt vor­an­ge­gangen, um dann fest­zu­stellen, dass die Stu­die­renden am Anfang das gar nicht annehmen. Darüber bin ich ein bisschen ver­wundert, dass war mir so nicht bewusst.

Judith
Das war für alle viel­leicht eine Über­ra­schung (lacht). Das ist ja was, was in Fach­be­reichen an vielen Stand­orten pas­siert, dass man eben erkennt, da fehlt irgendwas in unserem Modul. Und da sind wir gar nicht so spät dabei gewesen, sondern eigentlich noch eine der frü­heren Hoch­schulen, welche Digi­ta­li­sierung und Medien in die Soziale Arbeit als Pflichtfach umge­setzt haben.

Aber da es sich eben noch nicht in der Modul­struktur abbildet, kon­kur­riert es mit Themen, die viel­leicht mehr hardcore soziale Arbeit sind, und Stu­die­rende, die sich ent­scheiden müssen, machen sich viel­leicht Sorgen, dass sie davon etwas ver­passen könnten. Deshalb ist es wichtig, dass wir diesen Wandel in der Modul­struktur haben, dass man weiß „Okay, das ist auch ein Bereich, der relevant ist für die Praxis“. Und dann kann man schauen, was man darauf auf­bauen kann. Aber es sind län­ger­fristige Pro­zesse tat­sächlich.

Marian
Dann könnte ich jetzt den Staf­felstab über­nehmen: Ich heiße Marian Dörk und bin seit dem Win­ter­se­mester 2013/14 an der Fach­hoch­schule Potsdam, ich kann also nicht mehr sagen, dass ich neu bin! Ich habe eine For­schungs­pro­fessur für Infor­ma­ti­ons­vi­sua­li­sierung und ver­trete dieses The­men­gebiet sowohl in Lehre als auch For­schung.

Der Modus der For­schungs­pro­fessur erlaubt und erfordert, dass ich For­schungs­pro­jekte an die FH hole, ins­be­sondere im Bereich der Visua­li­sierung. Ich sehe das aber auch als Mission, meine For­schungs­themen immer wieder in Lehr­ver­an­stal­tungen ein­zu­bringen, also dass dies nicht zwei her­me­tisch abge­schlossene Bereiche sind, For­schung und Lehre, sondern dass sie sich gegen­seitig befruchten können.


Marian Dörk im Gespräch. © Nikolas Ripka

Im Bereich Lehre gebe ich diesen Sommer gerade mein Lieb­lings­kurs­format: die InfoVis Reading Group. Also ich gebe einen Lek­tü­rekurs zu Infor­ma­ti­ons­vi­sua­li­sierung auf Eng­lisch, das mache ich sehr gerne. Das ist sowohl vom Format total spannend, auch weil es ganz stark von den Stu­die­renden geformt wird, indem sie wählen, was gelesen und dis­ku­tiert wird. Am Ende wird das dann in einer Haus­arbeit zusam­men­ge­fasst.

Ansonsten mache ich noch noch eine Ein­führung in die Infor­ma­ti­ons­vi­sua­li­sierung und einen expe­ri­men­tellen Ent­wurfskurs im Fach­be­reich Design mit Prof. Fran­ziska Morlok, zu Femi­nismus und Daten­essays. Also: Infor­ma­ti­ons­vi­sua­li­sierung trifft auf redak­tio­nelle Gestaltung mit beson­derem Fokus auf das femi­nis­tische Konzept der Inter­sek­tio­na­lität.

Judith
Ach, das ist gerade gestartet!

Marian
Ja, genau! Das ging jetzt im April los. Wir koope­rieren in dem Kurs mit dem Center for Inter­sec­tional Justice (CIJ), eine gemein­nützige Orga­ni­sation, die sich mit Gleich­stellung, Gleich­be­handlung und Gerech­tigkeit beschäftigt. Das ist inter­essant, weil es eine Akti­vität im Lehr­be­reich mit sehr aktu­ellem Bezug ist, aber es deutet sich bereits an, dass da eigentlich noch mehr in Richtung For­schung pas­sieren könnte.

Der CIJ widmet sich aka­de­misch als auch zivil­ge­sell­schaftlich dem Thema Inter­sek­tio­na­lität, was quasi eine mehr­di­men­sionale Per­spektive auf Femi­nismus, Dis­kri­mi­nierung und Macht anbietet. Es ist ganz spannend, weil dieser viel­leicht theo­re­tische Begriff Inter­sek­tio­na­lität sein 30-jäh­riges Jubiläum gefeiert hat, aber er gewinnt gerade enorm an gesell­schaft­licher Relevanz. Da sind die Stu­die­renden an einem aktu­ellen Thema dran, was viele Fragen und Her­aus­for­de­rungen auf­wirft. Eine Frage ist bei­spiels­weise, wie man so kom­plexe Kon­zepte ver­mitteln kann, dass es ver­ständlich wird und dass man damit Ver­än­de­rungen in Gang setzen kann.

Judith
Und wir haben ja auch so ein Lehrbaby zusammen, Marian und ich (lacht), weil unser Team, Mag­dalena Kovarik und Ben­jamin Egger dieses Semester zusammen einen InterFlex-Kurs anbieten mit dem Namen „Remixing Sans­souci“. Und da geht es darum, digitale Arte­fakte zu erstellen in Bezug auf die Gärten der SPSG (Stiftung Preu­ßische Schlösser und Gärten Berlin-Bran­denburg), die eine der Pro­jekt­partner bei uns im Vor­haben PKKB (Post­di­gitale Kunst­prak­tiken in der Kul­tu­rellen Bildung) sind.

Marian
Wir wimmeln nur von Abkür­zungen!

Judith
Ja, wir sind voll von Akro­nymen! Also Akronyme sind super wichtig im Pro­jekt­ge­schäft, es wird unter­schätzt, aber es ist total wichtig, dass es sich nach irgendwas Inter­es­santem anhört (lacht). Na ja, und nach den Ergeb­nissen des Kurses wird dann eine Online-Aus­stellung ent­stehen, und da sind wir schon ganz gespannt, was da pas­siert.

Marian
Und das ist ein schönes Bei­spiel für ein umfas­sendes Projekt, über vier Jahre mit einem ganz tollen Netzwerk an Partnern. Das pas­siert dann nicht nur im Pro­jektbüro, sondern wir haben viele Kurse dazu gegeben. Diese Impulse von den Stu­die­renden sind auch maß­geblich und ent­wi­ckeln eine kri­tische Relevanz für die Pro­jekte. So erhoffen wir es uns auch von diesem Kurs. Da ging auch schon viel Vor­be­rei­tungszeit rein, es ist ja nicht einfach so „ja, wir treffen uns mal mit den Studis“ sondern es ist schon Arbeit.

Judith
Ja, es ist schon Arbeit! (lacht)
Aber klar, je mehr man in diese Gestaltung der Lehr­formate inves­tiert, desto eher kann man da etwas raus­ziehen. Das ist glaube ich schon das Span­nende, dass Lehre und For­schung immer mit­ein­ander ein­her­gehen. Und das ist auch wichtig, gerade für uns als FH, dass man es erkennt, wie sich das gegen­seitig befruchtet.

Marian
Ja, total.

Judith
Was steht denn bei euch gerade an, Mat­thias?

Mat­thias
Also, dann fange ich erstmal an und toppe den Marian! Mein Name ist Mat­thias Hauf und ich bin seit August 1999 an dieser Hoch­schule …

Judith
Woooow!

Marian
Schon bald 20 Jahre …

Mat­thias
Ja, es ist bald mein Jubiläum, ich lade euch dann ins Casino ein (lacht).
Ich habe hier ange­fangen als Pro­jekt­mit­ar­beiter und bin dann im Laufe der Jahre in die Admi­nis­tration gerutscht, in die Vor­be­reitung und Begleitung von For­schungs- und Trans­fer­vor­haben. Später habe ich den jet­zigen For­schungs­service auf­gebaut, der die For­schung- und Ent­wick­lungs­in­ter­es­sierten FH-Mit­glieder bei der Bean­tragung von Pro­jekten und Dritt­mitteln unter­stützt. Par­allel bin ich auch eine Art „Referent“ des jeweils zustän­digen Vize­prä­si­denten für For­schung geworden.

Unter anderem bear­beite ich viele stra­te­gische Fragen, z.B. aktuell den Aufbau der Prä­senz­stelle in Lucken­walde. Dazu kam die Anfrage von der TH Wildau, ob wir mit ihnen zusammen aktiv werden wollen. Im Hoch­schul­vertrag steht, dass sich die Hoch­schulen ver­pflichten, sich am Aufbau von soge­nannten Prä­senz­stellen in der Fläche des Landes Bran­denburg zu betei­ligen. Die ganze Vor­arbeit, die Abstim­mungen mit Partnern und Minis­terium, wer kann was wie ein­bringen, und machen wir es über­haupt … Das sind eben so Pro­jekte bei mir.


Mat­thias Hauf mit einem seiner mit­ge­brachten Kekse. © Nikolas Ripka

Vor zwei Wochen waren zwei Stu­die­rende bei mir, die im letzten Win­ter­se­mester den InterFlex-Kurs „Grüner wird’s nicht“ gemacht haben, in dem es um Nach­hal­tigkeit ging. Sie wollten Lehr­module und For­schungs­pro­jekte der FHP erfassen, die mit dem Thema Nach­hal­tigkeit zu tun haben. Und sie haben bestätigt, was ich seit Jahren kenne: nämlich, dass es in dieser Hoch­schule unwahr­scheinlich schwer ist, an Daten ran­zu­kommen. Es gibt wirklich kaum zen­trale Über­sichten oder Daten­banken.

Das finde ich schade, weil wir eine Hoch­schule sind, die sich im Fach­be­reich Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaften mit Daten­ma­nagement beschäftigt, und im Fach­be­reich Design viele Visua­li­sie­rungs­pro­jekte bear­beitet. Ich ver­stehe immer nicht, wieso wir so selten zusam­men­kommen, wenn es um eigene Her­aus­for­de­rungen geht. Man macht viel mit externen Partnern, das ist auch gut und wichtig, man macht auch einiges intern wie InterFlex oder bei Pro­jekten wie bei euch, aber ich glaube, dass man irre viel Potenzial hat, das man in Zukunft stärker als bisher gemeinsam nutzen muss.

Die FH Potsdam hat sicher einen Stand­ort­vorteil, aber wenn man in die letzten großen Wett­be­werbe guckt, wo die Hoch­schulen unter­ein­ander im Wett­bewerb stehen, z.B. „Inno­vative Hoch­schule“ oder im letzten Jahr das Fach­hoch­schul-Zukunfts­pro­gramm des Landes Bran­denburg, sind wir nicht wirklich erfolg­reich. Da müssen wir uns als Hoch­schule gemeinsam stärker an die eigene Nase fassen und uns zusam­mentun – was können wir wirklich gemeinsam machen und wie kann man die Hoch­schule ins­gesamt vor­an­bringen. Das ist ein Mega­projekt.

Judith
Also mehr Aus­tausch­formate für die Fach­be­reiche finden, um For­schungs­ko­ope­ra­tionen anzu­bahnen?

Mat­thias
Ja bzw. auch vor­handene Instru­mente, wie das Instrument der For­schungs­pro­fes­suren nutzen. Ich wundere mich immer, dass da keine Anträge aus den Fach­be­reichen kommen. Es gibt auch den internen For­schungs­fonds, der eigentlich sehr gut nach­ge­fragt wird, vor allem aus dem FB1. Und ich glaube die vor­han­denen Instru­mente weiter aus­zu­bauen, sie zu finan­zieren und positiv bewerben, das bringt im Ergebnis die Zusam­men­arbeit und dass man wirklich mit­ein­ander nach vorne denkt.

Judith
Und sie nicht so einzeln ver­puffen.

Mat­thias
Genau. Ich ver­stehe ja, in der Wis­sen­schaft ist das so, dass wenn man weiter wis­sen­schaft­liche Kar­riere machen will, nur die eigenen Erfolge zählen. Aber wir sind natürlich als Hoch­schule von öffent­lichen Geld­gebern abhängig, und die haben zunehmend stärker eigene Erwar­tungen. Das ist das, was du Marian ange­sprochen hast: wie stark beteiligt sich die Hoch­schule mit ihren Pro­jekten an der Gestaltung der Gesell­schaft oder an der Lösung gesell­schaft­licher Pro­bleme? Und davon hat Bran­denburg einen ganzen Sack voll. Die ein­zelnen Akteure bekommen das nicht so direkt mit, aber die Hoch­schul­leitung schon, wenn vom Minis­terium oder Landtag die Frage kommt: was tut ihr eigentlich für die Region? Das ist letztlich immer ein Geben und Nehmen, da muss man ein gutes Gleich­ge­wicht wahren.

Marian
Also, um das mal erwähnt zu haben: wir haben ein hyper­lo­kales Koope­ra­ti­ons­projekt. Wir haben jetzt ein Jahr mit dem Theodor-Fontane-Archiv (Luft­linie 1km von der FHP ent­fernt) koope­riert, da ging es darum, die Lese­spuren dieses deut­schen Lite­raten zu visua­li­sieren.

Judith
Auch wir haben gerade eine schöne Koope­ration mit dem Landtag Bran­denburg. Da ent­wi­ckeln wir Methoden, um mit Vor­schul­kindern den Landtag zu erkunden. Das ist auch was, wo wir sehr lokal unterwegs sind. Aber das ist glaube ich nicht immer so direkt sichtbar.


Judith Ackermann im Gespräch. © Nikolas Ripka

Mat­thias
Das ist der Punkt und was ich vorhin meinte: uns fehlt eine Über­sicht. So was haben andere Hoch­schulen durchaus: eine Pro­jekt­da­tenbank oder ein Infor­ma­ti­ons­system, wo eben alle Akti­vi­täten ein­ge­tragen und recher­chierbar sind. Das ist sicherlich auch ein Problem, dass wir nicht genug aus dem machen, was hier wirklich läuft.

Marian
Also … Es ist jetzt kein Aber, aber (lacht): ich habe das Gefühl, dass der Modus des Umgangs hier an der FH, innerhalb der Fach­be­reiche, der Ver­waltung, aber auch darüber hinaus, dass der so freundlich, kol­legial, offen ist, dass man eigentlich regel­mäßig von inter­es­santen Akti­vi­täten erfährt. Ich bin mit Vielen im Aus­tausch, egal ob man in der Cafe­teria an der Kasse ist, oder man sitzt zufällig am Men­sa­tisch zusammen, oder viele von uns pendeln und man trifft sich im Regio oder so. Also ich glaube die Über­sicht wäre auch hilf­reich, aber ich finde, die ange­nehme Größe der Fach­hoch­schule und die Offenheit für den gegen­sei­tigen Aus­tausch helfen dabei, dass dann doch Initia­tiven der Zusam­men­arbeit ent­stehen.

Nichts gegen Infra­struktur, Über­sichten und Daten sammeln für wichtige Themen – aber die kurzen Wege und der freund­liche Ton machen am Ende auch viel aus, um dann doch tolle Sachen los­zu­treten.

Judith
Ich finde gerade in der Kom­mu­ni­kation mit euch, dass ich das ganz anders kenne von anderen Hoch­schulen, und es toll finde, wie man hier unter­stützt wird. Janina Lehmann hat uns teil­weise auch abends auf Zuruf noch drei Zahlen geändert oder eine Begründung geschrieben – also das war schon super! (lacht) Ich habe auch das Gefühl, dass man infor­miert wird, was es für Aus­schrei­bungen gibt, und wer sich viel­leicht darauf bewerben könnte.

Aber ich denke, das schließt sich ja nicht aus. Einer­seits hat man ja nach Innen diesen Aus­tausch, den ich auch so wahr­nehme, der aber nicht alle von uns betrifft. Da hängt es auch an der eigenen Person ab, wie oft bin ich jetzt in der Cafe­teria, und wie bin ich auf Dialog aus­ge­richtet, wie viele Leute kenne ich? Ich glaube man kann hier auch gut exis­tieren, ohne in diesen Aus­tausch zu treten.

Und das andere ist eine Sicht­barkeit nach Außen. Und da hätte ich tat­sächlich auch gedacht, dass wir diese Pro­jekt­da­tenbank haben, weil wir ja zumindest von unseren Per­so­nen­seiten immer auf Pro­jekt­seiten ver­linken.

Mat­thias
Ja, das ist die Pro­jekt­da­tenbank im TYPO3. Da kann man eine Menge ein­tragen, aber sie ist für Bericht­erstattung schlecht recher­chierbar. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht so richtig, wie sie funk­tio­niert. Da pas­sieren merk­würdige Sachen: man kann irgendwo einen Haken setzen bei For­schungs­projekt aber das ist alles nicht so qua­li­täts­kon­trol­liert (lacht). Aber ich glaube, dass ist ein anderes Problem der Öffent­lich­keits­arbeit und unseres Web­auf­tritts.

Judith
Aber da wird ja gerade ein bisschen daran gear­beitet, das habe ich nämlich in einem Gespräch mit­be­kommen … Da gibt es gerade ein Seminar im Design, wo es um die Über­ar­beitung der Web­seite geht. Also viel­leicht pas­siert auch in der Richtung was!

Mat­thias
Na ja, es wird was pas­sieren. Ein Großteil der Software, die in der Hoch­schule zur Ver­waltung genutzt wird, ist auf der Basis von HIS (Hoch­schul-Infor­ma­tions-System). Und HIS hat im letzten Jahr ein For­schungs-Infor­ma­ti­ons­system-Modul gebaut. Das soll in diesem Jahr vor­aus­sichtlich auch imple­men­tiert werden. Ich bin hier vor­sichtig, weil wir natürlich dafür extra bezahlen müssen.

Marian
Was mich noch inter­es­sieren würde ist: wie geht es weiter? Was sind die Themen am Horizont? Es gibt ja einer­seits Anträge und Sachen, die man in einem Jahr machen möchte oder so. Aber du hast ja dem­nächst einen Pro­jekt­start, hof­fentlich?

Judith
Genau, ich warte auf meinen Zuwen­dungs­be­scheid, aber ich weiß nicht, wie öffentlich man das dann schon kom­mu­ni­ziert? (lacht) Also ich warte auf was, und würde even­tuell im Sommer ein ganz span­nendes neues Projekt starten, was ich zusammen mit Frank Heidmann vom Fach­be­reich Design dann, wenn es klappte, ein­ge­worben hätte, und wo wir dann drei Jahre arbeiten würden, zu einem Thema, zu dem ich wahr­scheinlich jetzt noch nichts sagen darf. Oder viel­leicht doch?

Mat­thias
Der Antrag ist ja nicht geheim, er ist ja öffentlich, also …

Judith
Okay, Mat­thias ist ja prak­ti­scher­schweise da! (lacht) Also das Thema lautet digitale Inklusion im Kontext sozialer Angst­stö­rungen. Da geht es darum, einen Maker­space auf­zu­setzen, sodass Per­sonen mit sozialen Angst­stö­rungen in kleinen Grup­pen­kon­stel­la­tionen sehr nied­rig­schwellig gemeinsam Tech­no­logien ent­wi­ckeln können, die ihnen viel­leicht an ver­schie­denen Stellen Erleich­te­rungen schaffen können. Und wenn es klappt, dann ist das, was jetzt ansteht!

Und lang­fristig hätte ich total Lust, etwas im Bereich Robotik zu machen. Ich habe dazu schon Ideen, also wenn das jemand liest, der oder die einen Schwer­punkt in Robotik hat und Lust hätte, mit mir was zusammen zu machen, ich hätte schon eine Idee! (lacht)

Mat­thias
An dieser Stelle der Hinweis, dass die Prä­senz­stelle in Lucken­walde, die von der TH Wildau und der FH Potsdam auf­gebaut wird, eine 800 m² große Halle ist. Sie soll in drei Bereiche geteilt werden: Maker­space, Co-Working-Space und Showroom. Lucken­walde ist zwar von Potsdam aus nicht so richtig toll zu erreichen, aber ich kann mir durchaus vor­stellen, dass dort bestimmte Pro­jekte, gerade wenn man Pra­xis­partner inte­grieren will, durch­ge­führt werden können. Die Kol­legen in Wildau beschäf­tigten sich in der Tat auch mit Robotern, es ist ja eine Tech­nische Hoch­schule.

Judith
Gut, dass wir zusam­men­sitzen! Wie immer! (lacht) Magst du denn noch generell etwas zu dieser Prä­senz­stelle sagen?


Zwi­schen Kaffee und Keksen. © Nikolas Ripka

Mat­thias
In Bran­denburg gibt es diverse soge­nannte regionale Wachs­tums­kerne, einer davon ist Lucken­walde. Die Lan­des­re­gierung hat beschlossen, dass jeder regionale Wachs­tumskern, der nicht sowieso eine Hoch­schule in seinem Ein­zugs­be­reich hat, eine Prä­senz­stelle bekommen soll. Das Land zahlt dafür zunächst für zwei Jahre, das hängt mit dem Lan­des­haushalt zusammen – per­spek­ti­visch natürlich länger.

Ziel ist, seitens der Lan­des­re­gierung, dass das Matching zwi­schen Unter­nehmen, Ver­waltung, Zivil­ge­sell­schaft in diesem eher länd­lichen Raum und den Hoch­schulen besser klappt. Eigentlich so eine Art Infobüro. Wildau und wir haben aber nach dem ersten Gespräch gesagt, das ist uns zu wenig, wir wollen da inhaltlich mehr erreichen. Und die Lan­des­re­gierung hat erstaun­li­cher­weise gesagt, das hört sich ganz inter­essant an, z.B. diese Drei­teilung, um gleich ver­schiedene Aspekte anzu­bieten, und gesagt, wir ver­suchen das mit euch.

Die TH Wildau ist am 01.04. mit zwei Stellen gestartet. Und wir steigen vor­aus­sichtlich am 01.07. mit einer Stelle ein. In welche Richtung das gehen wird, dazu kann ich jetzt noch nicht viel sagen. Aber inter­es­sante FHP-Pro­jekte wie z.B. Quar­tiers­ma­nagement-Fra­ge­stel­lungen des FB1, wie sie z.B. am Schlaatz liefen oder PASYMO, das Projekt von Tobias Schröder aus dem Institut, die kann man natürlich auch vor Ort in Lucken­walde machen. Dann hätten wir eine Art Real­labor.

Ich glaube ohnehin, dass die Themen, die wir an der FHP schwer­punkt­mäßig in der For­schung bedienen, also alles was Richtung digi­taler Wandel, Trans­for­mation, Urbane Zukunft geht, eine gute Aus­gangs­po­sition für Koope­ra­tionen sind. Und ich glaube, das sollte die Hoch­schul­leitung noch offen­siver pushen. Denn unter dem Label „Fach­hoch­schule Potsdam“ zu fahren, finde ich ein bisschen alt­backen, wo alle anderen Hoch­schulen sich deutlich stärker im Namen schon zu einem bestimmten Schwer­punkt ein­lassen. Wie die Hoch­schule für nach­haltige Ent­wicklung Ebers­walde zum Bei­spiel.

Ich glaube, da wird in Zukunft noch eine Menge Bedarf sein, darüber zu reden, wer wir sind, was wir wollen, ob das alles unter diesem Label so passt. Aber ich sehe auch echt gute Chancen. Wir hatten 2015/16 den Stif­ter­verband hier, die die gesamte FHP in einem soge­nannten Transfer-Audit durch­leuchtet haben. Und da haben sie sich die Poten­ziale der Hoch­schule ange­guckt und ich fand, dass sie ein ziemlich gutes Fazit hatten: Ihr seid als kleine Hoch­schule sehr hete­rogen auf­ge­stellt, das macht viele Pro­zesse nicht so richtig einfach, das macht es kom­pli­ziert, aber seht es positiv. Ihr habt damit eine Rie­sen­chance für die aktu­ellen gesell­schaft­lichen Her­aus­for­de­rungen und für inter­dis­zi­plinäre Zusam­men­arbeit.

Das hatten wir vorhin schon mal, die interne Zusam­men­arbeit wäre echt der Punkt, an dem man sich begegnen kann, an inter­dis­zi­pli­nären Auf­ga­ben­stel­lungen.

Judith
Und was sind deine geheimen Pläne, Marian?

Marian
Ach, die sind gar nicht geheim. Es ist das Projekt VIDAN (Visuelle und dyna­mische Arran­ge­ments von Nach­richten). Da beschäf­tigen wir uns mit der Erfor­schung visu­eller Arti­kel­formate, mit denen wir Daten nicht nur visua­li­sieren, sondern auch erklären können. Das heißt, dass die Daten­vi­sua­li­sie­rungen stehen nicht für sich, sondern sind in soge­nannten Daten­essays ein­ge­bettet.

Da koope­rieren wir mit einer inter­es­santen kleinen Bera­tungs­firma zusammen, die mit kom­mu­nalen Unter­nehmen arbeitet, ins­be­sondere im Bereich urbaner Was­ser­ver­sorgung, Mobi­lität und Müll­ent­sorgung. Da inter­es­sieren uns auch im Kontext Urbaner Zukunft städ­tische Trans­for­ma­ti­ons­pro­zesse im Bereich der Public Uti­lities, also Ver­sor­ger­un­ter­nehmen. Wir wollen uns da genauer zeit­liche und räum­liche Muster anschauen. Können wir Kom­ple­xi­täten und Dyna­miken von urbanen Infra­struk­turen so ana­ly­sieren und auf­be­reiten, dass sie eben nicht primär für Inge­nieure ver­ständlich sind, sondern eben auch für eine inter­es­sierte Öffent­lichkeit und invol­vierte Politik?

Hof­fentlich wird es bei diesen Fra­ge­stel­lungen auch wieder diesen Aus­tausch zwi­schen For­schung und Lehre geben. Im Kontext von Institut für ange­wandte For­schung und Mas­ter­stu­di­engang Urbane Zukunft behandeln wir ja bereits sehr ähn­liche Themen.

Ein anderes Projekt ist – ich will nicht zu viele Fässe auf­machen (lacht) – eine Koope­ration mit der Staats­bi­bliothek zu Berlin und anderen Partnern, wo wir uns im Kontext his­to­ri­scher For­schung mit der Ent­wicklung und Gestaltung von Visua­li­sie­rungs­tech­niken beschäf­tigen. Da geht es ins­be­sondere um Netz­werk­ana­lysen auf Basis his­to­ri­scher Briefe, Manu­skripte und Artikel, um zu unter­suchen wie his­to­rische Akteurs­kon­stel­la­tionen aus­sahen und wer von wem was in etwa wusste, also wer mit wem in Kontakt stand und welche Ideen aus­ge­tauscht wurden. Hierfür werden wir neue Instru­mente der Daten­vi­sua­li­sierung zur his­to­ri­schen Netz­werk­analyse ent­wi­ckeln. Das starten wir jetzt im Juli.

Mat­thias
Der Zuwen­dungs­be­scheid ist schon da.

Marian
Ja, er ist schon da! Und das Projekt heißt SONAR.

Judith
Also es steht viel an, nicht? Es macht eigentlich Sinn, dass wir das jetzt regel­mäßig machen und uns nochmal alle updaten.

Mat­thias
Und es könnte sein, dass da noch viel mehr ent­steht. In der Vor­be­reitung auf unser Gespräch habe ich mir meine Sta­tistik ange­guckt – und ohne jede Garantie für Quan­tität und Qua­lität der Zahlen bzw. deren Voll­stän­digkeit – wir hatten so ein Durch­schnitt in den letzten Jahren zwi­schen 20 bis 30 größere Dritt­mit­tel­an­träge. Im letzten Jahr waren es 18, aber in diesem Jahr wurden bis jetzt schon 16 ein­ge­reicht, also es scheint wieder ein Top-Jahr zu werden. Man kann natürlich nicht immer eine gerad­linige Stei­gerung sehen; die Pro­jekte, die da sind, müssen ja erstmal abge­ar­beitet werden. Aber wie gesagt, ich glaube, die Hoch­schule ist auf einem ganz guten Weg, was die Projekt-Akti­vi­täten angeht.

Niko
Vielen Dank für das Gespräch!

Judith
Danke, es hat Spaß gemacht!

Marian
Danke und dito!

Mat­thias
Danke!

Die erwähnten Projekte und Seminare im Überblick

Judith Ackermann

Marian Dörk

Matthias Hauf

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