Vorlesungsfrei

© Elena Langner

Von wegen zwei­einhalb Monate Freizeit! Fünf Stu­die­rende erzählen, wie sie ihren Sommer ver­bracht haben – zwi­schen Urlaub, Jobs, Praktika, Haus­ar­beiten und latentem Prü­fungs­stress.

Paul – Kommunikationsdesign

Vor­le­sungs­freie Zeit. Das bedeutet: Ich stehe morgens so gegen 16:30 auf, trinke 5 Liter Kaffee, rauche eine Stange Marlboro Gold und danach ziehe ich mich an. Nein, natürlich nicht. Es bedeutet: Ich stehe spä­testens um 9 Uhr auf, koche mir einen grünen Tee und arbeite an meinen freien Pro­jekten. Port­folio aus­ar­beiten, endlich mal die eigene Website an den Start bringen, Prak­ti­kums­platz fürs nächste Semester finden. Es gibt viel zu viel zu tun. Auch in den Ferien. Na ja, womöglich liegt die Wahrheit irgendwo dazwi­schen.

Die Gedanken streifen noch das eben zu Ende gegangene Semester; was war das wieder für eine kom­pakte, voll­ge­stopft mit Wissen, Erkennt­nissen und Pro­blemen befüllte Zeit, die vor­beiflog wie im Rausch. Und jedes Jahr am Ende wünsche ich mir, das Semester könnte noch 1–2 Monate länger gehen. Gerade wenn man so richtig warm gelaufen ist und in den ein­zelnen Themen steckt, heißt es: End­prä­sen­tation und Tschüs­s­i­kowski! Danach fällt die Lern­kurve abrupt ab. Ich würde mir wün­schen, dass man hier die Zeiten noch besser aus­loten würde.

Ich denke, früher oder später sehnt man sich in die Stu­di­enzeit zurück, mit all seinen Mög­lich­keiten und Ange­boten, Neues zu erfahren. Für die Bar­ce­lo­na­trips, Tech­noraves und Fes­tivals, auf denen man sich gegen­seitig mit Farbe beschmeißt, bleibt dann immer noch Zeit. Natürlich spreche ich nicht von den­je­nigen, welche ihr Prak­tikum oder einer Anstellung nach­gehen. Das Glück ist mit den Tüch­tigen heißt es doch! Aber ich war noch niemals in New York. Das ist schon so eine Sache mit der Work-Life-Balance.

© Elena Langner

Kauri – Kulturarbeit

Schöne freie Zeit, das denkt man sich am Anfang der Semes­ter­ferien. Und sie ist auch schön, der Sommer hat sich dieses Jahr von seiner besten Seite gezeigt. Doch die Zeit ist dann nur teils frei. Ich habe in diesem Semes­ter­ferien sehr viel Zeit in Zügen ver­bracht, auf dem Weg vom Urlaub zur Familie oder zu Freunden.

Weniger Zeit habe ich mit Haus­ar­beiten und Co. ver­wandt. Um ehrlich zu sein, glaube ich sogar, dass ich mehr Stunden in Zügen ver­bracht habe, als ich an meiner Haus­arbeit geschrieben habe. Und noch weniger Zeit habe ich in meiner Wohnung in Potsdam ver­bracht, da war ich tat­sächlich auch immer für ein paar Tage zu „Besuch“, eigentlich nur um zu waschen. Aber in den Semes­ter­ferien haben für mich meine Familie und meine Freunde Prio­rität. Ich hatte Glück, dass ich ver­gleichs­weise wenig (zwei Haus­ar­beiten) in den Semes­ter­ferien für die Uni machen musste, und auch die Klau­suren alle in der ersten Prü­fungs­woche hinter mir hatte.

Manche meiner Kommiliton*innen fahren in 2 bis 4 Stunden nach Hause, das lohnt sich mal für einen schnellen Wochen­end­ausflug. Ein großer Teil meiner Familie wohnt aber in Öster­reich, da fährt man dann schon einen ganzen Tag, um sich mal wieder zu sehen. Neben den Besuchen von Familie und Freunden habe ich die Zeit auch genutzt um Urlaub zu machen, natürlich bleibt auch da die Arbeit für die Uni schon mal auf der Strecke, oder (wird mit der pas­senden Moti­vation) auf der Strecke gemacht. Wie sich her­aus­stellte, lässt sich in einem Zug erstaun­li­cher­weise besser arbeiten als in den eigenen vier Wänden.

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Anja – Archiv

Die Kom­bi­nation aus Semes­ter­ferien und Fami­li­en­leben (inkl. zur Arbeit pen­delnder Mann, zwei Kindern und einer Baby­katze) ist wie ein netter kleiner Spa­ziergang durch die Wüste.

Dabei fing doch alles so gut an. Bei Freunden konnten meine Familie und ich endlich mal die Füße im Pool baumeln lassen. Das Wetter war schön und wir haben immer draußen was unter­nommen. Doch gleich danach ging es ins Pflicht­prak­tikum; acht Wochen lang, 40 Stunden, unbe­zahlt. Die son­nigen Tage draußen zu ver­bringen war vorbei. Das Wetter kippte Ende August auch ins bewölkte, reg­ne­rische. Da lohnte es sich nicht mal mehr die Mit­tags­pause draußen zu ver­bringen.

Nebenbei musste ich noch zwei Haus­ar­beiten schreiben und dabei die Abga­be­fristen ein­halten. Lieber zu spät als nie, dachte ich, als die Haus­ar­beiten fünf Minuten vor Abgabe um 23:55 in Moodle waren. Alles andere was ich auf die Zeit nach dem Prak­tikum auf­schieben konnte, wurde dahin geschoben. Mal sehen, wie schnell der Stapel dann abge­ar­beitet werden kann. Aber jetzt kann ich schon sagen, „Semes­ter­ferien“ könnte ich das nicht bezeichnen!

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Tim – Bauingenieurwesen

Die vor­le­sungs­freie Zeit nutze ich meistens, um mich vom Stu­di­en­stress zu erholen. Dieses Mal auch, um einige Praktika zu absol­vieren und einen Über­blick zu erhalten, in welche Richtung ich selbst einmal gehen möchte.

Die Praktika müssen (leider) immer min­destens vier Wochen lang sein und haben feste Arbeits­zeiten. Da bleibt am Abend nicht sehr viel Zeit übrig. Par­allel dazu bekommt man so einiges an Haus­ar­beiten über die vor­le­sungs­freie Zeit. Einige arbeiten in Gruppen, denn da ist es am Ende ja angeblich „weniger Arbeit für den Ein­zelnen“. Wenn jedoch alle Team­mit­glieder ihre eigenen Termine haben und/oder selbst fest in ihren Prak­ti­kums­plätzen ein­ge­bunden sind, ist es nicht gerade ein­facher, die Arbeit schnell zu erle­digen und abzu­geben.

Einige der Arbeiten kann ich auch nur in der FH machen, da die gefor­derten Pro­gramme nur dort zur Ver­fügung stehen. In der Woche ist durch das Prak­tikum so gut wie keine Zeit (außer man mag Nacht­schichten), wodurch sich alles auf das Wochenende ver­schiebt. Dazu kommt dann noch die Vor­be­reitung auf die Klau­suren und die sind nicht mal so eben gemacht. Auf­zeich­nungen zusam­men­suchen, Texte lesen und alles umfassend ver­stehen und merken, das nimmt Unmengen an Zeit in Anspruch. Und am Ende bleibt eigentlich keine freie Zeit mehr übrig für sich selbst.

© Elena Langner

Juliana – Soziale Arbeit

Bevor ich in die vor­le­sungs­freie Zeit und meinen Urlaub gehen konnte, musste ich noch meinen Sozi­al­report vor­legen (das Ergebnis von zwei Semestern Werk­statt) und eine Rechts­klausur schreiben. Ein wei­terer Test erwartete mich noch in der zweiten Prü­fungs­woche im Sep­tember. Ich nahm mir vor, in meiner freien Zeit dafür zu lernen. Bis dahin wollte ich Urlaub in Kroatien und Italien machen, jeweils nur für ein paar Tage. Und Ita­lie­nisch in einer Sprach­schule wei­ter­lernen. Nebenbei noch arbeiten, um diese Pläne auch ver­wirk­lichen zu können. Und ich wollte endlich Sport treiben.

Nachdem ich die Rechts­klausur geschrieben hatte, bin ich als Erstes mit meinem Freund nach Italien, um seine Familie und Freunde zu sehen. Für mich war der Besuch in Italien genauso wie meine Familie in Kolumbien zu sehen: die Familie meines Freundes begrüßt mich immer, als wäre ich eine Tochter, Schwester, Enkelin oder Nichte. Ich habe dort so viel gegessen, dass ich wusste, wenn ich nach Berlin zurück­komme, würde ich keine Lust mehr haben, Sport zu treiben.

Nachdem wir wieder in Berlin waren, wartete ich auf meine Familie aus Kolumbien, die mich für eine Woche in Berlin besuchte. Mit meiner Cousine und Tante sind wir uns die Sehens­wür­dig­keiten aus Berlin und Potsdam anschauen gegangen. Nachdem meine Familie wieder weg war, ging ich ein paar Wochen arbeiten. Danach war der Plan, mit zwei Freunden nach Kroatien zu reisen.

Am Tag unserer Abreise nach Kroatien habe ich gemerkt, dass ich mit einem abge­lau­fenen Rei­sepass unterwegs war. Für einen Moment dachte ich, alles würde ins Wasser fallen … Zum Glück ist aber alles gut gelaufen und ich habe die Ein­rei­se­kon­trollen ohne Pro­bleme über­standen. Was für eine Erleich­terung, dachte ich, als wir endlich in Pula ankamen. Kroatien war atem­be­raubend. Ich haben viele typische Gerichte aus­pro­biert und das Wetter war wun­der­schön. Der beste Teil der Reise war aber die Boots­fahrt. Wir kamen an einem Riff an, wo das Wasser blau wie der klare Himmel war und wir konnten unter einer Höhle schwimmen und viele Fische sehen.

Danach ging es zurück nach Berlin, um weiter zu arbeiten und zu lernen. Nur das mit dem Ita­lie­nisch lernen habe ich nicht sehr gut geplant, ich werde den Kurs wohl im Win­ter­se­mester wieder auf­nehmen müssen. Meine vor­le­sungs­freie Zeit geht jetzt langsam zu Ende und alles in allem bin ich sehr zufrieden mit den Sachen die ich gemacht habe, und mit den Men­schen und Orten die ich gesehen habe.

© Elena Langner

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