7 Fragen an Christopher Kostka

Christopher Kostka steht draußen vor dem Casino im Haus 17
© Elena Langner

In der neuen Folge unserer Pod­ca­st­reihe „7 Fragen an“ frage ich den neu gewählten stu­den­ti­schen Vize­prä­si­denten nach seinem Wer­degang zur und an die FHP, den Beweg­gründen in das Amt und seinen Pro­jekten auf dem Campus.

Folgend ist keine Tran­skription, sondern eine Zusam­men­fassung. Aus­ge­lassene Stellen erkennt ihr an dem * Sternchen. Viel Spaß!

Herzlich Will­kommen zu einer neuen Folge „7 Fragen an“. Ich bin Elena und sitze hier mit Chris­topher Kostka, zwei Meter ent­fernt auf der Casi­no­bühne. Er wird sich jetzt einmal kurz selbst vorstellen.

Schönen guten Tag, ich hoffe ihr habt es gemütlich und lauscht gleich unserem Podcast. Ich bin Chris­topher Kostka, 30 Jahre alt und Student der Kul­tur­arbeit. Seit 2017 bin ich an der FHP und wohne seit beginn meines Stu­diums in Potsdam.* Alles einen Steinwurf weit; das kommt mir sehr gelegen, da sich mein Alltag über­wiegend auf dem Campus abspielt.

Du bist jetzt der stu­den­ti­scher Vize­prä­sident, vor zwei Wochen im Senat gewählt.* Glück­wunsch zur gewon­nenen Wahl.

Danke dafür. Ich fühle mich nach wie vor sehr geehrt, dieses Ver­trauen aus­ge­schenkt bekommen zu haben. Ich hätte mir auch eine legitime Wahl gewünscht. In dem Kontext möchte ich auch meinen Dank an den Vor­gänger Nikolas Ripka aus­sprechen, er hat kon­se­quent eine menge Hoch­schul­po­litik für den Mehrwert der Stu­die­ren­den­schaft betrieben und des­wegen würde ich mal behaupten, dass ich da in große Fuß­stapfen trete. Bin aber sehr gewillt diese anzu­nehmen und das beste daraus zu machen.

Ich freue mich drauf, was du in den nächsten 9 Monaten alles auf uns zubringst. Kommen wir zu ersten Frage: was hat dich zur FHP gebracht?

Schon während meiner Aus­bildung wollte ich nochmal stu­dieren gehen. Ich wollte eigentlich im Bereich meiner medi­zi­ni­schen Aus­bildung bleiben, da ich medizin-tech­ni­scher Radio­lo­gie­as­sistent gelernt habe. Das habe ich dann aber ver­worfen, weil mich doch auch die Kultur inter­es­siert hat. Und auf der Suche nach einem Studium bin ich dann bei der FHP hän­gen­ge­blieben. Die His­torie, das Konzept – das klang voll nach deinem Ding.* Ich dachte mir, da hast du Bock drauf, da willst du hin und so ist es dann auch gekommen.

Das hört sich sehr inter­essant an. Wir gehen jetzt ein bisschen zurück, was hat dich an deiner medi­zi­ni­schen Aus­bildung motiviert?

Da müssen wir ein bisschen weiter weg greifen, ich war ein neu­gie­riger Schüler.* Es war irgendwie ein großes Inter­es­sen­gebiet von mir, in die Patho­logie abzu­schweifen und ich hatte vor, eine Aus­bildung zum Sek­tions- und Ope­ra­ti­ons­as­sis­tenten anzu­streben und daran wei­ter­führend ein Studium dran­zu­hängen. Das hat leider auf­grund diverser Gründe nicht funk­tio­niert und um dann trotzdem am Ball zu bleiben, habe ich dann eine Zeit lang als Bestatter gearbeitet.

Und dann kam irgendwann die Wahl, ob ich in dem Berufs­zweig bleibe oder etwas anderes lerne. Da der Bestatter im Grunde ein Kaufmann ist, was für mich nicht so anspre­chend war, habe ich dann nach was Rich­tigem gesucht und fand den Zweig der Medi­zin­technik und Radio­logie sehr spannend, und dachte mir: jo, das passt, klingt gut.* Hat auch Spaß gemacht, aber im Kran­kenhaus habe ich dann leider gemerkt, in welche Richtung das abdriften kann, mit der Belastung und dem Umgang im Arbeits­umfeld. Und dachte ich mir: naja, du hast nicht umsonst den höheren Schul­ab­schluss, du willst nochmal Stu­dieren gehen, und so bin ich dann zu diesem Studium hier gekommen.*

Konntest du dein Gelerntes in den Aus­bil­dungen schon während deines Stu­diums anwenden? Oder denkst du, dass du in Zukunft irgendwann alles Gelernte ver­einen kannst?

Darüber hinaus muss man wissen, dass ich in vielen ver­schie­denen Bereichen gear­beitet habe. Ich war schon früh so gepolt, immer auf Erfah­rungen gepocht zu haben. Ich habe von Zei­tungs­aus­tragen, dem Bestat­terjob, in der Son­der­päd­agogik, aber auch im Zirkus gear­beitet. Ich habe als Musiker auf Bühnen gestanden und viel in der Gastro gear­beitet – ich hätte mir auch da eine Zukunft vor­stellen können und mache privat auch gerne alles, was mit einer Bar zu tun hat. Ich konnte in jedem Bereich Erfah­rungen sammeln, die mich im Studium wei­ter­bringen. Ins­be­sondere mit unter­schied­lichen Teams zu arbeiten und Stress­be­lastung zu erfahren, zeigt mir tag­täglich auf dem Campus, wie mir das zugutekommt.*

Sehr schön. Greifen wir noch einmal zurück, du hast den Zirkus erwähnt – was hast du da gemacht?*

Die ganze Zir­kus­ge­schichte ist mit dem FSJ gekommen. Wir hatten unsere Abschluss-Seminare im Ros­tocker Hafen in einem Mit­mach­zirkus. Ohne Tiere, das wäre für mich ethisch auch nicht in Frage gekommen. 

In welchem Jahr hast du das gemacht?

Lass mich über­legen, das wird 2011/2012 gewesen sein. Es hat mir dort sehr gefallen, der Lebensstil, in einem Bau­wagen zu wohnen auf diesem Zirkus. Wir hatten ein aktives Kin­der­pro­gramm, wo man sich manchmal gefragt hat, was eigentlich mit unserer Gesell­schaft abgeht. Manche Eltern haben wie eine Her­berge ihre Kinder bei uns abge­geben, damit sie in Ruhe shoppen gehen können oder ähn­liches. Dem war halt nicht so, es wurden alle ani­miert und ein­ge­spannt. Und im Zuge der Seminare vom FSJ habe ich das Trapez, Jon­glage aber auch die dar­stel­lenden Künste für mich ent­deckt.* Ins­gesamt war ich leider nur für drei Monate da und da ich doch darauf gepolt gewesen bin, noch etwas hand­festes zu lernen, bin ich nicht mit ihnen wei­ter­ge­zogen. Im End­effekt glaube ich, dass es auch die richtige Ent­scheidung war, weil es mich hierher gebracht hat.

Okay, ich denke mal nach dem Abi hast du das FSJ gemacht, da war der Zirkus, und dann ging es zur Aus­bildung zum Radio­logen … Korrekt?

So Pi mal Daumen, ja. Es war noch wie gesagt der Musiker dazwi­schen, der Bestatter ist da so mit­ge­schwungen, dann habe ich aber die Aus­bildung, 2014, in Offenbach am Main angefangen.

Ein langer Lebenslauf bis zur FHP. 

Würdest du meinen, dass wenn alle Hoch­schul­an­ge­hö­rigen für eine Zeit im Mit­mach­zirkus und Kran­kenhaus arbeiten würden, sie dann auch ihr Management und ihre Stress­be­lastung besser ein­schätzen könnten? Hypo­the­tisch, theo­re­tisch – ist klar, dass das nicht umsetzbar ist. Denkst du, dass die Hoch­schule dann besser arbeiten würde?

[holt tief Luft] Ich würde es auf jede Fall begrüßen, so wie es damals mit der Wehr­pflicht und dem Zivil­dienst war – ich bin der Meinung, dass man das zu einer Pflicht machen sollte. Was ich beob­achte und in der Gesell­schaft auch dis­ku­tiert wird: einerseit haben wir eine Jugend, die ziemlich durch die Schul­jahre durch­ge­prescht wird. Und dann kommen diese Schüler:innen mit diesen Ambi­tionen an die Hoch­schulen. Klar, wir haben jetzt die Bologna-Reform, wir haben den Bachelor, den Master, es ist alles viel ver­schulter. Nichts­des­to­trotz fehlt den jungen Geistern eine gewisse Art der Erfahrung. Und meiner Meinung nach kann man diese Erfah­rungen sammeln, wenn man durch ein FSJ Ein­blicke in Betriebe bekommt. Das ist etwas, was einen sehr gut erden und vor­an­bringen, und dann auch aufs Studium vor­be­reiten kann.

Ich kann jetzt nur schwer für die junge Generation sprechen, weil doch schon über 10 Jahre dazwi­schen liegen, ich ver­suche mich da hin­ein­zu­ver­setzen.* Ich bin zwar ein Kind des digi­talen Wesens, weiß aber auch, dass ich da ein bisschen hin­terher hänge. Dennoch bin ich der Meinung, dass man sich nach der Schule erdet und Erfah­rungen sammelt, in einem Prak­tikum bei­spiels­weise – ein Prak­tikum, das übrigens auch ver­gütet werden sollte; hier schläft unsere Politik immer noch hin­terher. Um eben einen Erfah­rungs­schatz zu haben, um nicht aus diesem Schu­li­schen direkt weiter ges­prescht zu werden. So ist leider aktuell das Studium inbe­griffen, durch­pre­schen, fertig werden und dann die Karriere. 

Das ist die Regel­stu­di­enzeit, dafür bekommt die Hoch­schule ja auch Geld. Wenn man über der Regel­stu­di­enzeit ist, bekommt die Hoch­schule weniger Geld und es gibt Pro­bleme für sie.* 

Wir gehen mal zum nächsten Thema: Du hast erzählt, Digi­tales liebst du zwar, kommst mit klar, aber noch mit mit allem … Hat dich das digitale Som­mer­se­mester vor neue Her­aus­for­de­rungen gestellt?

Das Som­mer­se­mester hat mich tat­sächlich kom­plett über­rannt. Inzwi­schen habe ich mich damit ange­freundet und das ist auch eines der Dinge mit denen ich mich als sVP beschäf­tigen möchte: das Positive weiter zu ver­bessern und die nega­tiven Erfah­rungen aus­zu­merzen. Ich glaube die FHP hat es sehr gut gemanagt – zumindest das, was ich so aus den Stu­di­en­gängen mit­be­kommen habe. Natürlich gibt es hier und da Pro­bleme, ich sehe uns aber ganz gut aufgestellt.*

Danke, dann kommen wir zu unserer nächsten Frage: Was hat dich ins Casino gebracht, und wieso bist du nicht mehr in der Casino AG? All­gemein was das Casino über­haupt ist, viel­leicht für Erstis, die noch nie die Mög­lichkeit hatten, hier zu sein.

Zuerst einmal ist es bedau­erlich, dass die Erstis das Casino nicht ken­nen­lernen konnten in dem Ausmaß in dem es eigentlich exis­tiert. Was hat mich ins Casino gebracht? Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, im Oktober 2017, bei unserer wun­der­baren Erst­se­mes­ter­ein­führung. Ich kam halt damals aus dem Hans-Otto-Theater raus und es gab das Angebot der Schiff­fahrt, es standen aber auch zwei sehr sym­pa­thische Men­schen, Aria und Yvo, mit einem Bol­ler­wagen voller Kaffee, Sekt und Bierchen mit einem Casi­no­schild da. Und sie haben damit geworben, eine kleine Stadttour zu machen, anstatt die Schiff­fahrt … Das hat mich mehr ange­sprochen. Und da habe ich mich dazu gesellt und damit waren meine ersten Schritte auf dem Campus zum Casino.

Das war die Stadt­führung, einmal ins Casino?

Eine kleine Stadt­führung, es war schon mal was. Erfreu­li­cher­weise war auch die ehe­malige stu­den­tische Vize­prä­si­dentin Jenni mit in der Runde dabei. Man kam in den noch nicht mal fer­tigen Neubau des Casinos und hat gesehen, dass hier Stu­die­rende am Werkeln sind.* Und ich habe dann gefragt, ob ich nicht direkt mit­machen darf. Ich habe beim Tresen geholfen und so bin ich im Casino gelandet. Ich hatte direkt die Ambition mehr zu machen und das Kon­strukt zu begreifen.* Am Ende meines ersten Semesters habe ich mich als AG-Mit­glied auf­stellen lassen und habe ange­fangen die Struk­turen zu begreifen.

Jetzt kann man aus­holen, was das Casino eigentlich ist: Es ist ein Stu­die­ren­den­projekt und schon über 25 Jahre alt.

Nein, wir sind kein Casino, liebe Stadt Potsdam, liebe Finanz­ver­waltung Potsdam. Das hier ist eine stu­den­tische Bar, ein stu­den­ti­scher Betrieb, kein Unternehmen.

Kein Gewerbe!

Es ist ein Ort um sich frei aus­zu­lassen und mit­zu­ge­stalten. Es gibt einen Saal mit Leinwand und Sofas wo man vor Corona chillen [lacht] konnte, teil­weise sogar mit gemein­samen Kino­abenden. Es gibt eine wun­derbare Bar und dann gibt es noch den großen Thea­tersaal, wo wir gerade drin sitzen, mit einer neuen Bühne und alten Kino­sitzen. Man sieht noch die alten Male­reien an den Wänden von den Restaurator:innen. Ein schönes Ambiente.

Genau. Die Mög­lich­keiten im Casino sind für Stu­die­rende unbe­grenzt. Jede:r, die:der eine Idee hat, kann sich jederzeit an das Casino wenden. Wir haben den Raum, die Technik und an sich auch die Leute. Die einzige Sache ist, wir arbeiten gerne mit euch, aber nicht für euch!*

Was nicht möglich ist, wird durch das Casino ermög­licht. Denn das Casino kennt die Leute an der Hoch­schule ziemlich gut. Bei der Gre­mi­en­arbeit hat man Studis mit ein, zwei Jahren Hoch­schul­erfahrung, und beim Casino ist das Wissen seit teil­weise über 10 Jahren mit dabei. * Wieso bist du aus der AG ausgetreten?

Ich bin aus der Casino AG aus­ge­treten, da ich wieder den Fokus auf mein Studium richten wollte. Das Casino ist ein dau­er­haftes Projekt was Stu­die­rende auch wahr­nehmen sollten. Ich habe in kurzer Zeit im Casino sehr viel gemacht und es war einfach an der Zeit, die Fackel wei­ter­zu­geben.* Ich konnte meine Pro­jekte wie die Open Stage nicht umsetzen, weil so viel Orga­ni­sa­to­ri­sches gemacht werden musste. Ich hatte als Kul­tur­ar­beiter dann die Öffent­lich­keits­arbeit über­nommen, was gar nicht so einfach ist und wo man sich die Frage stellt, wie jetzt über welche Kanäle kom­mu­ni­ziert werden muss. Das geht aber der ganzen Hoch­schule ja so.*

Dan­ke­schön, jetzt bleibt mir nur noch die Frage: was ist deine Lieb­lings­tä­tigkeit im Casino?

Also der erste Gang geht zur Kaf­fee­ma­schine, und dann ist es tages­ab­hängig. Mal setzt man sich an den Laptop und checkt die E‑Mails; wenn es nor­maler Betrieb wäre, hat man viel­leicht Tre­sen­schicht oder man weiß wer Tre­sen­schicht hat und kommt erstmal ins Plaudern. Da kommen im Casino viele Fäden zusammen, es ist ein Ort der Ver­netzung auf dem Campus. Das hat mir sehr geholfen am Campus anzu­kommen, da man mit allen mög­lichen Bereichen in Berührung kommt. 

Sehr gute Wei­ter­leitung, was hat dich in die Gre­mi­en­arbeit gebracht? Du warst aktiv im Senat, hast dich nie für etwas anders auf­stellen lassen und bist auch direkt vom Senats­posten stu­den­ti­scher Vize­prä­sident geworden. Wie kam es dazu?

Das hängt ganz viel mit dem zusammen, was ich durch das Casino ken­nen­lernen durfte. Es galt früh, sich mit dem Wach­schutz, HGP [dem Haus­meister-Team], der Hoch­schul­leitung und auch dem AStA, den StuRas aus­ein­an­der­setzen und dadurch einen guten Ein­druck bekommen, wie die Hoch­schule tickt. Ich habe sehr viele Gespräche mit unter­schied­lichen Leuten aus allen Fach­be­reichen geführt, über diverse Themen und über Kritik gesprochen. Ich habe das alles mit­ge­nommen, schon während meiner Casi­no­tä­tigkeit, und ver­sucht daran zu arbeiten.

Dann war für mich klar, dass ich mich für die Hoch­schul­po­litik inter­es­siere, sah aber leider nie den Nutzen mich dem AStA oder meinem StuRa anzu­schließen, weil die Arbeit mir etwas zu schleppend und träge vorkam.* Und als ich mit­be­kommen habe, dass es Studis für den Senat braucht, habe ich mich auf­stellen lassen. Ich bin auch für die Erfah­rungen dort dankbar, weil ich weitere Bereiche ken­nen­ge­lernt habe, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte, und die Reich­weite mancher Ent­schei­dungen ver­standen habe.* 

Dan­ke­schön, sehr ausführlich. 

Zum Ver­ständnis: Der Senat ist das höchste Gremium an der FHP, wo alle Hoch­schul­an­ge­hö­rigen und Sta­tus­gruppen ver­treten sind. Der AStA ist das höchste gewählte stu­den­tische Gremium von allen Stu­die­renden und der StuRa das stu­den­tische Gremium im Fachbereich.

Inwiefern war das Sti­pendium ein Moti­va­ti­ons­faktor, dich auf­stellen zu lassen?

Die Moti­vation, mich auf­stellen zu lassen, kam nicht von mir aus.

Wurdest du gezwungen?!

Ich wurde nicht gezwungen, nein. Ich hatte defi­nitiv mal vor, mich auf­stellen zu lassen, hatte aber eher an nächstes Jahr gedacht. Ich bin dankbar, dass sich viele Leute an mich gewandt haben und zu mir meinten: Chris­topher, willst du das nicht machen, wir können uns das gut vor­stellen. Ich habe dennoch mit mir gehadert, denn es würde auf jeden Fall zeit­in­tensiv sein. Ich habe mir auch gewisse Ziele gesetzt, bin aber froh, jetzt dieses Amt bekleiden zu dürfen, weil ich auch etwas bewirken möchte. Des­wegen kommt die Moti­vation von dort heraus, dass ich das Ver­trauen von Stu­die­renden, die mich in meinem Alltag begleiten, geschenkt bekommen habe. Dieses Ver­trauen möchte ich nicht ent­täu­schen, wie auch das Ver­trauen der gesamten Stu­die­ren­den­schaft nicht. Das Sti­pendium ist ein schönes Beiwerk, defi­nitiv, aber für mich nicht aus­schlag­gebend. Natürlich ver­schafft es mir finan­zielle Sta­bi­lität, aber es ist in keinster Weise ein Faktor gewesen, um mich auf­stellen zu lassen. 

Meinst du, du kannst das, was du in deinem Amt lernen wirst, mit dem was du vorher gelernt hast wie­der­ver­ei­nigen? Oder kommt das einfach zu deinem Erfah­rungspott mit hinzu?

Ich gehe stark davon aus, dass die Erfah­rungen, die ich sammle, mir in Zukunft sehr wertvoll erscheinen werden. Ich strebe nach dem Bachelor noch einen Master an und mein roter Faden ist aktuell doch auf der Hoch­schul­ebene zu bleiben, oder mich in die Kul­tur­po­litik oder generell in die Politik ein­zu­schalten. Des­wegen ist es ein sehr guter Ansatz und für mich eine wert­volle Erfahrung. Und um mich daran her­an­zu­tasten und zu schauen: bin ich dafür geeignet?

Also sehen wir dich viel­leicht später in der deutsch­land­weiten oder bran­den­bur­gi­schen Politik?

Ob es soweit kommt, weiß ich nicht. Tat­sächlich strebe ich eher an, die Hoch­schul­laufbahn ein­zu­schlagen, wenn es mir möglich sein sollte, da etwas zu leisten.

Wie können die Stu­die­renden dich erreichen?

Also grund­sätzlich wäre der ein­fachste Weg das über die E‑Mail-Adresse zu regeln. Man darf mir gerne jederzeit schreiben. Ich werde mir alles anschauen, werde aber viel­leicht auch an Stellen wei­ter­leiten, die eher was mit der Anfrage zu tun haben. Nichts­des­to­trotz habe ich mir vor­ge­nommen, auch so etwas wie einen Instagram-Konto für den stu­den­ti­schen Vize­prä­si­denten zu machen, um euch auch Ein­blicke in diese Arbeit zu geben. Mir ist Trans­parenz wichtig, dass man einer­seits sieht, was gemacht wird, und ande­rer­seits wie diverse Dinge zusammenhängen.

Du bist jetzt schon zwei Wochen im Amt. Was hast du alles gemacht, bei wie vielen SIt­zungen warst du dabei, wie viel durftest du schon ent­scheiden und hast du es schon bereut, das Amt ange­nommen zu haben?

Nein, in keinster Art und Weise. Die ersten zwei Wochen waren relativ ent­spannt, aber haben mir einen Aus­blick gegeben, wie intensiv es wird. Tat­sächlich habe ich bis dato nur an einer offi­zi­ellen Sitzung teil­ge­nommen, das war FHPgesund, die aber auch schon sehr auf­schluss­reich war. Das Prä­si­di­al­kol­legium findet nächste Woche statt, da bin ich sehr gespannt darauf. Ich bin gerade eher dabei, einer­seits die For­ma­li­täten zu klären, die bei einer Amts­übergabe anstehen, und ande­rer­seits mich her­an­zu­tasten, was alles möglich und machbar ist.

Dann viel Spaß in den nächsten neun Monaten, bis es wieder vorbei ist!

Kommen wir zu deinem Projekt Schöne Ecke, was du dir auf die Fahne geschrieben hast und wozu du dich mit Stu­die­renden ver­netzt hast. Woher kam die Idee, was war dein Grundgedanke?

Ich würde dort beginnen, wie ich den Campus für mich ken­nen­ge­lernt habe. Ich arbeite über­wiegend nur auf dem Campus, nutze ihn als Lernort, auch dadurch, dass ich hier in der Regel den direkten Aus­tausch und gute Vor­aus­set­zungen hatte. Wir als Kulturarbeiter:innen haben unseren Pro­jektraum, also einen Semi­narraum, den wir nutzen können. Auch die Bauingenieur:innen und die Designer:innen haben ihre Studios. Das sind Räum­lich­keiten, die ich enorm wichtig finde. Nicht alle Stu­di­en­gänge haben diese Mög­lich­keiten, und meines Erachtens nach brauchen wir Stu­die­rende Räume für unser Arbeiten. Es ist was anderes, sich in einer Gruppe in einem ste­rilen Arbeitsraum zu treffen oder in einer Räum­lichkeit, die bewusst auf die eigenen Bedürf­nisse anspricht. Manche von uns ver­bringen während Projekt- oder Ein­zel­ar­beiten 8 bis 10 Stunden auf diesem Campus und wir brauchen auch einfach Ruheorte oder Orte, wo wir eine andere Arbeits­at­mo­sphäre haben.

Zu Beginn der Pan­demie saß ich sehr schnell auf heißen Kohlen, da mir einer­seits mein per­sön­licher Arbeitsraum geraubt wurde und ande­rer­seits auch dieses soziale Inter­aktive kom­plett weg­ge­nommen worden ist. Da dachte ich mir, wenn diese Pan­demie vorbei ist, sollte jede:r Studierende:r einen Campus vor­finden, der anspre­chend ist, der ein­ladend wirkt und zum Ver­weilen da ist. Somit ist es durch einen schönen Zufall zwi­schen AStA, Casino und mir gekommen, dass es darauf hin­auslief, sich auch mal um die Schand­flecken zu kümmern. Explizit meine ich damit den grünen Streifen an der Pan­zer­halle wie auch die leblose Ecke des Gartens an Haus 17. Ich habe da eine Menge Potenzial gesehen. Im aktu­ellen Haus­haltsplan des AStA hieß es, wir haben Geld und wir können da was basteln. Und so ist mir die Idee eines grünen Co-Working-Spaces gekommen, mit gemüt­lichen Sitz­ecken. Der Zeitplan ist, dass die Stu­die­renden ihren Raum selbst gestalten, und dann hof­fentlich im Som­mer­se­mester ein schönes Arbeiten in einem Freiraum möglich ist, so wie wir es möchten.

Und das hast du dir vor­ge­nommen als sVP oder als Studi?

Es ist ein inein­an­der­ge­flossen. Es ist per­sönlich gereift der Wunsch, dass Stu­die­rende in die Cam­pus­planung ein­be­zogen werden sollten. Denn der Campus ist für uns. Und leider Gottes, würde ich jetzt mal so behaupten, weiß die Ver­waltung und die Hoch­schul­leitung eben nicht, was die Stu­die­renden möchten.* Und so können wir eben auch mal laut­stark äußern, was wir möchten und brauchen, um hier unseren aka­de­mi­schen Wer­degang erfolg­reich abzu­schließen. Ande­rer­seits hätten wir auch einen Ort der sozialen Ver­netzung, den wir lieben und effi­zient nutzen können.

Man kommt nicht nur an Hoch­schulen um zu stu­dieren. Vielen geht das aber so, wahr­scheinlich des­wegen, weil wir kaum stu­den­ti­schen Raum haben, in dem man sich aus­leben kann. Außer man stellt sich mit dem Casino gut.

Obwohl wir das Dilemma haben, von den Stu­die­renden die in Berlin und denen die in Potsdam wohnen und den Campus eher nutzen, werden wir von anderen Hoch­schulen für das was wir haben beneidet. Anders als an einer Uni, wo man eine:r von vielen ist, kennt man sich hier. Das ist eines der Allein­stel­lungs­merkmale, das wir weiter nach Außen tragen sollten. Deshalb möchte ich, dass sich die Gremien und die Fach­be­reiche mit ihren Ideen mit ein­bringen und den Campus gestalten. Dass dann viel­leicht sogar ein Skulp­tu­ren­garten ent­steht, ein Aus­stel­lungsraum auf dem Campus.*

Und wenn sich die Zuhö­renden [Leser:innen natürlich auch] denken, da möchte ich mit­machen, ich habe Ideen, was ich mir auf dem Campus wünsche und brauche – an wen können sie sich wenden?

Erstmal über die E‑Mail-Adresse: oder auch über . Auch an den AStA oder ans Casino. Schüttet uns erstmal mit Ideen zu. Im nächsten Jahr soll es zu gemein­samen Treffen kommen, damit dann alles Gestalt annehmen kann. Wenn wir ein in sich gut funk­tio­nie­renden Cam­pus­leben haben, pro­fi­tiert jede:r davon. Bei unseren Fach­be­reichen und Stu­di­en­gänge gibt es ganz viel Potential, zusam­men­zu­ar­beiten. Ich glaube, da lässt sich ganz viel machen.

Danke, ich freue mich drauf! Kommen wir zu letzten Frage, hast du noch etwas, was du los­werden möchtest?*

Ich würde es in einem kleinen Appell ver­suchen: Ich kann mein Amt nur so gut aus­führen, wie ihr mit mir arbeitet. Ich ver­lasse mich darauf, ganz viel Feedback und Input von euch zu erhalten. Ich hoffe, dass es einen aktiven Aus­tausch gibt, denn wir können nur damit arbeiten, was ihr uns gebt. Egal was, äußert es, viel­leicht ist es der Anstoß den wir brauchen, um etwas großes ins Rollen zu bringen.*

Dann dan­ke­schön und nochmal Glück­wunsch zu deinem Amt!

Danke für das sehr nette Interview!

Bitte, es hat sehr viel Spaß gemacht. Danke fürs Zuhören, eini­ger­maßen schöne Fei­ertage und wir hören uns beim nächsten Mal.

Tschüss!

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