Campusgesichter: Sigrid Redies

Sigrid Redies im Campusgarten.
© Miglė Vyturytė

Ob hinter uns in der Schlange der Mensa stehend, mit der Kaf­fee­tasse in der Hand an uns vorbei huschend oder gemeinsam mit uns aus der Tram steigend; täglich begegnen wir auf dem Campus den unter­schied­lichsten Gesichtern, in denen sich mal Stress, Freude oder auch einfach nur Müdigkeit wider­spiegelt. Und obwohl wir uns immer wieder aufs Neue begegnen, erfahren wir doch nie mehr als uns ein kurzes, plötz­liches Zusam­men­treffen des gemein­samen Blickes ver­raten kann.

Um nicht alle Geschichten zu ver­passen, welche Tag für Tag an uns vor­bei­ziehen, aber auch um ein wenig die Men­schen, mit denen wir unbe­wusst unseren Alltag ver­bringen, besser ken­nen­zu­lernen … die Bei­trags­reihe Cam­pus­ge­sichter.

Das fünfte Gesicht: Sigrid Redies

In jeder Gemein­schaft, Gruppe oder Insti­tution gibt es einen Men­schen, der immer ein offenes Ohr und ein warmes Lächeln bereit hält. Meistens genau dann, wenn man es am drin­gendsten braucht. Ein Mensch, der Pro­bleme angeht und den Laden eben am Laufen hält. Dieser Mensch ist für die Stu­die­renden der Kul­tur­arbeit Sigrid Redies. Die wirklich gute Seele des Stu­di­en­gangs.

„Fehlen werden mir vor allem die Stu­die­renden. Jedes Jahr neue Gesichter ken­nen­zu­lernen und damit auch neue Geschichten … Das hat meiner Zeit hier schon etwas sehr Abwechs­lungs­reiches und Span­nendes ver­liehen.“

Sigrid Redies war 25 Jahre lang Team­as­sis­tentin im Stu­di­en­gangsbüro Kul­tur­arbeit an der Fach­hoch­schule Potsdam. Sie ist die Erste gewesen, die diese Stelle besetzt hat, ist somit seit Gründung des Stu­di­en­gangs mit dabei gewesen und ver­ab­schiedet sich nun in den wohl­ver­dienten Ruhe­stand. 

„Ich hätte selbst nicht gedacht, dass es so viele Jahre werden. Aber hier sitze ich nun und schaue auf die vielen Jahre zurück, in denen ich mit den unter­schied­lichsten Men­schen zusam­men­ar­beiten durfte und in denen ich zahl­reiche Ver­än­de­rungen an der Fach­hoch­schule mit­erlebt habe. Wenn ich mich daran erinnere, was genau mich an diesen Ort gebracht hat, dann war es vor allem die Neu­gierde: Das Thema des Stu­di­en­gangs, welches ich so noch nicht kannte. Die Hoch­schule im All­ge­meinen, da ich vorher vor allem an einer Uni­ver­sität gear­beitet habe und der Aspekt, dass ich meine Sprach­kennt­nisse mit ein­bringen konnte.“ 

Frau Redies stu­dierte vor ihrer Zeit an der Fach­hoch­schule Sprach- und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft an der Uni­ver­sität Mannheim mit dem Schwer­punkt Anglistik und Roma­nistik. Sie arbeitete mehrere Jahre in der Erwach­se­nen­bildung und war danach als Doku­men­ta­ti­ons­as­sis­tentin am Kli­nikum Mannheim/Universität Hei­delberg tätig. Ihre Fas­zi­nation für Sprache und Lite­ratur hat sie aber bis heute nicht auf­ge­geben.

„Tat­sächlich habe ich eine gute Freundin, die als Buch­händ­lerin arbeitet und immer mal wieder jemanden braucht, der neue Lese­ex­em­plare für sie liest. Dazu sage ich natürlich nicht nein! Neben anderen Büchern habe ich vor allem eine Vor­liebe für Kri­mi­nal­romane ent­wi­ckelt. Hier ver­schlinge ich regel­recht ein Buch nach dem anderen.“ Redies lacht und als ich sie frage, warum es gerade Kri­mi­nal­romane sind, hält sie kurz inne und ant­wortet begeistert: „Ich gehe den Dingen gerne auf den Grund. In diesen Büchern werden alle Details nach und nach auf­ge­deckt, Bezie­hungs­ge­flechte ent­hüllt, und par­allel ent­wi­ckelt man seine eigenen Aus­gänge und Theorien dazu. Das ist etwas, was mich schon als Kind fas­zi­niert hat und eine Eigen­schaft, die mir viel­leicht auch hin und wieder im Beruf geholfen hat. Nicht an der Ober­fläche zu bleiben, sondern Pro­blemen auf den Grund zu gehen und Details ver­stehen zu wollen.“ 

Die Stu­die­renden haben auf jeden Fall von ihrer Liebe zum Detail pro­fi­tiert. An der Schnitt­stelle zwi­schen Stu­die­renden und Leh­renden sorgte sie für rei­bungslose Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­läufe, für die Lehr- und Raum­planung, Ver­waltung der Noten und vielem mehr. Dabei war sie glücklich, dass sie für die Stu­die­renden auf so unter­schied­liche Art und Weise da sein konnte, ohne sie je bewerten oder ihre Arbeiten kor­ri­gieren zu müssen. 

Doch nicht nur der Stu­di­engang Kul­tur­arbeit pro­fi­tierte von ihrem Einsatz: Sie war auch einige Zeit als Ehren­amt­liche in der Not­fall­seel­sorge Potsdam tätig und war dort wichtige Ansprech­part­nerin für Men­schen, die bei­spiels­weise Ange­hörige ver­loren oder einen schweren Unfall erlebt hatten. Auch wenn sie die meisten Per­sonen immer nur während der ersten Momente des Schocks oder der Trauer begleiten konnte, leistete sie einen wich­tigen Beitrag des „Auf­fangens“ und der Ver­mittlung: „Ich habe in diesen Momenten viel gelernt. Über die Bedeutung der Seel­sorge, über den Men­schen, aber vor allem auch über mich selbst. Selbst­ver­ständlich war die Arbeit nicht einfach und auch immer wieder kräf­te­zehrend. Aber sie war und ist extrem wichtig.“ – Und das eine oder andere Mal konnte sie mit dieser seel­sorg­liche Kom­petenz auch Stu­die­renden wei­ter­helfen.

Und welche Wünsche oder Ideen warten jetzt auf Frau Redies, nach ihrem Berufs­leben? Sie schmunzelt: „An Ideen mangelt es auf jeden Fall nicht. Ich werde wohl mein ehren­amt­liches Enga­gement in der Kir­chen­ge­meinde aus­bauen. Auch bleibt mehr Zeit, um meinen Mann stärker bei der Arbeit in unserem Garten zu unter­stützen. Unab­hängig vom Ruhe­stand freuen wir uns auf weitere Locke­rungen im Kul­tur­be­reich. Wir haben im ver­gan­genen Jahr die Oper für uns ent­deckt, und liebend gern möchten wir mal ein Konzert in der Elb­phil­har­monie erleben, sobald dies wieder möglich ist.“

„Und da gibt es auch noch das ein oder andere Hobby, welches wir wieder inten­si­vieren möchten. Zum Bei­spiel haben wir früher im Verein Stan­dard­tänze getanzt, und das wollen wir mit der neu gewon­nenen Zeit auch wieder auf­greifen. Tja und sonst? Da gibt es auch noch ver­schiedene Städte und Länder, die ich sehen möchte. Lang­weilig wird es, denke ich, in den nächsten Jahren nicht!“ 

Das kann ich mir auch kaum vor­stellen. Ich denke, am liebsten würden wir alle Sigrid Redies mit einer her­aus­ra­genden Abschieds­feier und nicht auf­hö­rendem Applaus ver­ab­schieden. Aber für den Moment bleibt erst einmal nur das geschriebene Wort:

Wir wün­schen Ihnen, liebe Frau Redies, von Herzen nur das Beste und bedanken uns für Ihre Zeit und Arbeit!

3 Kommentare

  1. So schön, die groß­artige Frau Redies mit diesem Beitrag zu ehren. Von Herzen wünsche ich ihr alles Gute und bin dankbar für all die Hil­fe­stel­lungen und netten Momente auf dem Campus!

  2. Danke für die wun­derbare Zusam­men­arbeit in den vielen Jahren meiner Assistenz im Fach­be­reich. Für den 3. Lebens­ab­schnitt die aller­besten Wünsche!

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