Was zur Wahl?!

Die jährliche Wahl der Gremienmitglieder stand an. Ich war als Wahlhelferin mit dabei und erzähle von meinen Erlebnissen und Gedanken.

Wahlen? Was sind Gremien? Dieses Semester konnten die Studierenden ihre jeweiligen Vertreter*innen für den AStA, ihren StuRa, Fachbereichsrat, Senat sowie die Gleichstellungsbeauftragte vom Fachbereich und zentral wählen. Auch die anderen Statusgruppen haben ihre Vertreter*innen gewählt. Im Gegensatz zu den Studierenden hatten die Meisten eine Auswahl unter den Kandidat*innen – bei den Studis war es eher eine obligatorische Sache, ihre Kreuze zu machen.

Massen an Wahlzettel

Ich habe an den zwei Tagen als Wahlhelferin den bunten Wahlzettel-Massen den Kampf angesagt und mein Bestes gegeben, jedem und jeder Wähler*in die richtigen Wahlunterlagen zu geben. Auch die Namen der Studierenden und Mitarbeiter*innen zu finden war nicht zu unterschätzen; in den langen Listen, die nach Statusgruppe, Fachbereich und sogar nach Studiengang aufgeteilt waren. „Interessanterweise war STADT | BAU | KULTUR wieder mal der einzige Fachbereich, der es nicht gebacken kriegt, alle Studierenden auf eine Liste zu packen. Stattdessen gibt es für jeden Studiengang eine gesonderte Liste – was für mich auch irgendwie den Fachbereich widerspiegelt.“ sagt Wahlhelfer Niko Ripka (AStA, Senat, Design-Student usw.).


© Elena Langner

In einer Mail an alle Hochschulangehörigen (huh, erinnert ihr euch?), konnte man sich in einer Doodle-Liste eintragen, wann man Zeit hatte, bei den Wahlen zu helfen. Da ich im Wahlvorstand bin und sowieso eine Pause zwischen meinen Vorlesungen hatte, habe ich mich gleich eingetragen. Eine Woche später wurde der Plan rumgeschickt, und die einstündigen Schichten zwischen den Helfer*innen verteilt. Der*Die jeweilige vorangegangene Wahlhelfer*in führte den*die Nächste*n ein.

Am Mittwoch in meiner ersten Stunde war ich erstmal überfordert an den Massen von Zetteln vor mir. In der Zeit, wenn niemand sich Wahlzettel abgeholt hat, haben wir uns daher gut vorbereitet. Mithilfe eines Spickzettels konnten wir uns pro Fachbereich und Statusgruppe (in Studierende, Profs, akademische Mitarbeiter*innen, nicht wissenschaftliche Mitarbeiter*innen aufgeteilt) kleine Pakete mit den entsprechenden Wahlzetteln zusammenstellen.

Daneben ist es zu interessanten Gesprächen mit den anderen Wahlhelfer*innen und den Wahlgänger*innen gekommen. Ich habe mit Leuten geredet, die ich ansonsten nicht kennengelernt hätte. Zum Beispiel habe ich eine Werkstattleiterin der Konservierung und Restaurierung kennengelernt, die sich herzergreifend über jede*n ihrer Studierenden gefreut hat, die zur Wahl gekommen ist.

„Im Vergleich zu anderen Wahlen waren die Helfer*innen überaus zuverlässig. Üngewöhnlich waren auch die vielen und v.a. schnellen Reaktionen auf die Umfrage zur Besetzung des Wahllokals. Die Helfer*innen kamen auch (fast) alle pünktlich zu ihren Schichten.“ sagt eine zufriedene Patrizia Reicherl (u.a. Geschäftsstelle für Gremienwahlen).

Am Donnerstag waren die Zusammenstellungen schon logisch für mich und ich brauchte den Spickzettel nicht mehr. Deshalb konnte ich innerhalb kürzester Zeit die passenden Stapel zusammenstellen, zu meiner Freude und der der wartenden Studierenden. Wenn ich dann nicht einen Moment vorher im Eifer des Gefechts die Namensliste eines Fachbereiches drüber gelegt hatte …

Ganz automatisch haben viele Wähler*innen ihren Ausweis gezeigt, obwohl es nicht nötig war. Es war aber sehr oft praktisch, wenn man den Namen einfach nicht verstanden hat oder er anders ausgesprochen wurde. Peinlich wurde es manchmal, wenn einem der Name nicht eingefallen ist, obwohl man die Person eigentlich kennen sollte. Oder man in der falschen Statusgruppe nach dem Namen gesucht hat …

Die Wähler*innen

Ich habe mir ein paar O-Töne der Wähler*innen aufgeschrieben:

„Das sind aber viele Zettel“
– ein verwirrter Studi.

„Also wie funktioniert das? Gibt es Parteien? Wen kann ich wählen?“
– ein interessierter Erstwähler.

„Was machen die Gremien denn überhaupt?“
– ein weiterer interessierter Studi.

„Darf ich denn auch wähen?“
– Nicht nur die Studis, auch viele Mitarbeiter*innen wussten nicht, dass sie auch wählen durften. Doch zum Glück kam der Großteil bis zur letzten Minute seine Stimme abgeben, besser spät als nie. 🙂

„Ich hab meine Stimme heute schon abgegeben.“
– sagte der heisere Mann.


© Elena Langner

„Ich kenne die doch alle gar nicht?“
– Ja, ich auch nicht. Hiermit Props an jede*n Studi, der*die sich während des Ausfüllens neben die Plakate gestellt hat. Da konntest du deine Fachbereichsvertretung sehen und dein Kreuz bei den Leuten machen, die du dann kennengelernt hast.

„Also ich nehm mir einfach einen von diesem Zettelstapel?“
– sagte der Studi, der sich einfach einen Stapel nehmen wollte … Sorry, vorher nennst du mir doch bitte deinen Studiengang und deinen Nachnamen, sodass ich dich abhaken und die Wahlbeteiligung errechnet werden kann!

Was für eine Auswahl?


© Elena Langner

Es gab einen Gedankengang, den viele Studierende, auch mich, während des Wählens gepackt hat: „Hier hab ich doch gar keine Auswahl?“ Manchmal kam sogar ein verwirrter Studierender wieder aus der Wahlkabine raus, um nachzufragen, dass man da sicher nicht was falsch verstanden hatte, denn es gab 8 Kandidat*innen und man durfte 8 Kreuze machen, da kann man sich ja gar nicht entscheiden …? Da kann man es doch auch gleich lassen.

Erklärt am Beispiel des AStA:

  • FB1 Sozial- und Bildungswissenschaften: 1 Kandidatin
  • FB2 Stadt | Bau | Kultur: 6 Kandidat*innen
  • FB3 Bauingenieurwesen: niemand
  • FB4 Design: 1 Kandidat
  • FB5 Informationswissenschaften: 2 Kandidat*innen

Zwei Stimmen durften die Studierenden in ihrem Fachbereich den aufgestellten AStA-Bewerber*innen geben. NUR der FB2 konnte dadurch eine richtige Wahl treffen. Doch da es nicht durch alle Gewählten (2 pro Fachbereich) auf die 10 AStA-Mitglieder kommt, rutschen ALLE Bewerber*innen im FB2 nach. Was nichts Schlimmes ist, aber wo ist dann der Sinn der Wahl? „Der Prozess des Wählens ist wichtig für die Demokratie an der Hochschule.“ erklärt Patrizia Reicherl. „Es geht um das Recht auf Mitwirkung, das Einbringen eigener Interessen und die Vertretung der Statusgruppen, auch bei und trotz der eher geringen Beteiligung.“

Doch es gab auch zwei weitere (ich nenne es mal) Probleme, die sich im Rahmen der Wahl ergeben haben.

Zum einen gab es im Fachbereich 1 (Sozial- und Bildungswissenschaften) für den StuRa nur zwei Bewerber*innen. Es müssen aber mindestens drei sein, damit sich der StuRa bilden kann, so steht es in der Satzung der Studierendenschaft. Und niemand hat sich für den Fachbereichsrat aufstellen lassen, dem Rat wo Studierende im direkten Austausch mit den Professor*innen, den akademischen und nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter*innen stehen.

„Das Engagement der Studierenden in den Gremien war – aus vielen Gründen – noch nie überwältigend. Aber dass ein Studierendenrat nicht zustande kommt und es keine studentische Vertretung in einem Fachbereichsrat gibt, ist in der Geschichte der FH noch nie vorgekommen. Ich hoffe, dass sich zu den Nachwahlen im nächsten Semester Studierende finden lassen – und sich im Fachbereich klären lässt, was los ist.“ ergänzt Patrizia Reicherl.

Zum anderen hat sich im Fachbereich 3 (Bauingenieurwesen) wieder niemand für den AStA aufstellen lassen. Es kam schon während der Wahlen mehrmals die Frage aus dem Fachbereich, warum sie niemanden in den AStA wählen dürfen. Der Grund ist, dass nur die Kandidat*innen aus dem eigenen Fachbereich gewählt werden können. Was zur nächsten Frage führte.

„Wieso kann nicht jeder Fachbereich alle AStA-Bewerber*innen wählen? Kann man das nicht so verändern?“
Klingt gut, ja, ist bestimmt auch möglich. Also, wenn dir jetzt danach ist bei dieser Änderung mitzuwirken, dann meld dich doch bei dem Wahlvorstand! Die beschäftigen sich übrigens auch gerade mit der Idee, die Wahlen digital zu ergänzen und damit dem jährlichen, bunten Zettelwahnsinn den Kampf anzusagen.

Was die Statistik sagt

Interessant ist die Statistik der Wahlen der letzten Jahre. Die Anzahl an Kandidat*innen für die StuRen hat in den letzten zwei Jahren einen allgemeinen Anstieg wahrgenommen, doch dieses Jahr ging sie abrupt runter.


Anzahl an StuRa-Kandidat*innen zwischen 2010 und 2019 (Nachwahlen nicht mitgezählt).
© AStA der FH Potsdam

Die Wahlbeteiligung bei den Studierenden liegt in den letzten acht Jahren zwischen knapp 12% und 16% und scheint zu sinken. Am besten hält sich der Fachbereich 5, die Wahlbeteiligung lag in den letzten Jahren immer über 15%; dieses Jahr sogar über 19%! Dagegen ist der Fachbereich 1 dieses Jahr auf ein Allzeittief von 4,4% abgefallen.


Wahlbeteiligung der Studierenden zwischen 2010 und 2019 (Nachwahlen nicht mitgezählt).
© AStA der FH Potsdam

Es sieht schon traurig aus bei der Wahlbeteilligung. Aber was soll man machen? Man wird von Plakaten und Informations-Mails überflutet und kriegt die Hälfte nicht mehr mit. Das die Wahlen in der Mensa stattfinden ist eine logistisch gute Idee, denn viele der Studierenden kommen dort täglich vorbei, aber oft denkt man dann nur an was man essen wird, wo man sich hinsetzten kann und wie lange Pause man noch hat, und nicht was links und rechts von einem passiert.

Am Ende des Donnerstags half ich dann noch die Stimmen auszuzählen. Wir begannen damit, die liebevoll zusammengefalteten Zettel wieder aufzufalten und nach Farben zu sortieren. Nach einiger Zeit konnten meine Augen die leichten Farbunterschiede von pastellblau und hellblau nicht mehr auseinanderhalten. Nach einer Dreiviertelstunde haben wir es geschafft – Rekordzeit!

Nächstes Jahr wird der Spaß von neuem anfangen. Und vielleicht gibt es eine Idee von den jeweiligen Dekanaten, ihre Studis zu motivieren, sich in der Hochschulpolitik für sich und ihren Fachbereich einzusetzen.

6 Kommentare

  1. Vielleicht helfen drastischere Werbemaßnahmen?
    Wow wäre es, ein Banner vorne beider Tram aufzuhängen oder große Klappschilder wie für den Eiskaffee in der Cafeteria aufzustellen?
    (Macht die Uni P. Auch so)

    Ich vermute, dass viele verpeilt haben, dass Wahl ist, weil die Plakate in der Masse untergehen. :/

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