Co-Working im Space

Das Haus 17 von außen mit ein paar Zelten vom CampusCamp.
© Niki Herden

Ein Jahr lang war das Casino wegen Sanie­rungs­maß­nahmen geschlossen. Damals hatten wir uns gefragt, ob der Punk mit dem Casi­nO­topia sterben würde. Doch acht Monate nach der Eröffnung scheint dies nicht der Fall zu sein; das Casino feiert dieses Jahr sein 25-jäh­riges Bestehen und sieht so gut aus wie nie.

Ein holpriger Weg

Im Zuge der Sanierung ist neben dem Café und dem Ver­an­stal­tungssaal jedoch ein wei­terer Bereich mit fünf neuen Räumen ent­standen. Seit der Eröffnung Mitte Oktober wird dieser, wie das gesamte Gebäude auch, von der Stu­die­ren­den­schaft selbst ver­waltet. Hier befinden sich die Büros- und Kon­fe­renz­räume des All­ge­meinen Stu­die­ren­den­aus­schusses (AStA), der Stu­die­ren­denräte (StuRa) und des Casinos.

Doch in den Monaten vor der Eröffnung wurde die Nutzung der Räum­lich­keiten immer wieder von der Hoch­schul­leitung in Frage gestellt. Ein Fit­ness­studio im Ver­an­stal­tungsraum oder neue Büros für Pro­jekte wie das FHP-Kolleg oder HERe! statt für stu­den­tische Gremien waren immer wieder Gesprächs­thema. Vor­schläge wie diese wurden vom dama­ligen AStA jedoch vehement abge­lehnt.

Diese defensive Haltung erklärt viel­leicht, warum damals auch die Idee eines Co-Working-Spaces auf Skepsis stieß. Mit dem Umzug der letzten Fach­be­reiche auf den Campus brauchten die StuRen nämlich dringend ein neues Büro; so wurde der 67 m² große Raum am Ende des Gebäudes erstmal als neuer Büro- und Kon­fe­renzraum aller fünf StuRen ein­ge­plant.

Nach der Eröffnung war das Haus 17, wie das Gebäude offi­ziell heißt, der Traum aller Stu­die­ren­den­schaften: ein Ort, wo Stu­die­ren­den­ver­tretung und stu­den­ti­schen Initia­tiven unter einem Dach sind – und das auch noch selbst­ver­waltet. Doch während das Casino schnell wieder zu einem beliebten und belebten Ort der Begegnung wurde, ähnelte der zweite Bereich mit den Büros oft einer Geis­ter­stadt. Es fanden zwar regel­mäßig Sit­zungen und Bespre­chungen statt, diese bestanden jedoch aus wenigen Studierendenvertreter*innen. Welche Gründe hätten andere Studis auch schon gehabt, um sich hier auf­zu­halten?

Nach einem Semester wurde zudem etwas ziemlich offen­sichtlich: nur die eine Hälfte des großen StuRa-Raums, nämlich der mit dem großen Kon­fe­renz­tisch, wurde wirklich genutzt. Auch das Büro für die Sozi­al­fonds­be­auf­tragte des AStA, die die Rück­erstattung des Semes­ter­ti­ckets aus sozialen Gründen ver­waltet, schien über­trieben groß zu sein. Damit sollte zwar gewähr­leistet werden, dass Stu­die­rende ver­traulich und ohne Unter­bre­chungen beraten werden können; die Anzahl an Stu­die­renden, die sich vor Ort beraten ließen, blieb dieses Jahr jedoch im ein­stel­ligen Bereich.

Gleich­zeitig wünschten sich Stu­die­rende mehr Arbeits­räume. Wie konnte es also sein, dass die Stu­die­ren­den­schaft so viel unge­nutzten Raum hatte? Wäre es nicht sinn­voller, diesen allen zur Ver­fügung zu stellen?

Der Vor­schlag, die StuRen in den Sozi­al­fonds-Büro zu ver­legen und dieses mit dem AStA-Büro zu ver­schmelzen, wurde zwar befür­wortet. Es war aber auch ein kleiner Verlust, den einige StuRen erstmal ver­kraften mussten – ein kleines Opfer, um mehr Stu­die­renden einen Mehrwert zu bieten. Nach einem inten­siven Umzugs­wo­chenende war es nun soweit.

Der Co-Working-Space

Ent­standen ist ein schöner, groß­zü­giger Raum, in dem man alleine oder in kleinen Gruppen arbeiten kann. Etwas ruhiger als das Casino, nicht so streng wie die Bibliothek. Ein Großteil des Mobi­liars stammt vom ehe­ma­ligen Campus Friedrich-Ebert-Straße, während der Sofa­be­reich und andere Klei­nig­keiten gebrauchte Möbel­stücke aus Potsdam sind.

Gruppenarbeit auf den Sofas
Eine Arbeits­gruppe auf den DDR-Sofas von 1974. © Nikolas Ripka

Die noch leere Pinnwand
Die noch (fast) leere Pinnwand. © Nikolas Ripka

Ein Rechner und ein Fern­seher für Videos oder Prä­sen­ta­tionen stehen zur Ver­fügung, genauso wie die Mög­lichkeit, mit der Cam­pus­karte zu kopieren und zu drucken. Gebrauchte Bücher, Pullis und Stifte findet man im neuen Tausch­regal von der Nach­hal­tig­keits­in­itiative.

Seit der Eröffnung ist ganz schön was los. Auftakt war „Essen & Musik für Alle“ von FHP Connect, ein Abend­essen mit inter­na­tio­nalen Gerichten bei Ker­zen­licht und schöner Musik. Wenige Tage später begann bereits das Cam­pusCamp, welches nun direkt neben dem Co-Working-Space plat­ziert ist. Auch das kom­mende Hoch­sitz­dinner vom Fach­be­reich Design wird im neuen Raum statt­finden.

Einweihungsfeier des Co-Working-Spaces
Die Ein­wei­hungs­feier am 13. Juni. © Christian Mosau

Die Nähe zum AStA-Büro zahlt sich eben­falls aus. Neben einer großen und kleinen Musik­anlage können dort nämlich auch Schlaf­säcke, Iso­matten, auf­blasbare Wale und Ein­hörner, eine Slackline sowie Geschirr aus­ge­liehen werden. Zudem besteht die Mög­lichkeit, den etwas klei­neren Pro­jektraum für Grup­pen­ar­beiten oder für regel­mäßige Treffen von AGs zu reser­vieren – der Raum wird bereits von Initia­tiven wie dem Cam­pus­garten oder Semi­kolon, sowie als Back­stage-Bereich für Künstler*innen im Casino genutzt. Aber auch die Nähe zu den stu­den­ti­schen Gremien ist ein großer Vorteil. So können Stu­die­rende mit­be­kommen, wenn Sit­zungen statt­finden und sich viel­leicht sogar dazu­setzen.

„Es ist gut, dass es einen Raum gibt, in dem alle Stu­die­renden arbeiten können“ sagt unser Autor Martin, der in der Ver­gan­genheit seinen Unmut über feh­lende Arbeits­plätze äußerte. „Hof­fentlich ist das nur ein Anfang. Es gibt sicherlich noch weitere Räume an der Hoch­schule, die besser für alle zugänglich gemacht werden können.“ In der Tat ist der Co-Working-Space nur ein erster Schritt für mehr stu­den­ti­schen Arbeitsraum an unserer Hoch­schule. Doch die Tat­sache, dass er sich im selbst­ver­wal­teten Haus 17 befindet, ist etwas beson­deres – erst jetzt kann wirklich behauptet werden, dass Haus 17 das Haus der Stu­die­ren­den­schaft ist.

Der Co-Working-Space ist montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr geöffnet.

2 Kommentare

  1. Geile Scheiße! Ich bin regel­mäßig da. Platz zum Arbeiten und auch ständig neue Leute kennen lernen und erfahren an was diese so arbeiten! Geil, geil, SUPERGEIL!

Schreibe einen Kommentar